16.12.2020
Blog

Kommunikative Inventur zum Jahresende oder: Wie läufts?

  • Ein kommunikativ turbulentes und spannendes Jahr neigt sich dem Ende zu
  • Zeit für eine Bestandsaufnahme Ihrer Internen und Externen Kommunikation
  • Auf zu neuen Ufern: mutig, kreativ und experimentierfreudig
von
Katharina Tielsch
Lesedauer: 3 Minuten

Der letzte Blogbeitrag im Jahr ist an sich immer eine dankbare Aufgabe. In diesem Jahr bin ich mir allerdings nicht so sicher. Corona stellt nach wie vor alles auf den Kopf und jeden von uns auf eine harte Probe. Im Privaten wie im Beruflichen. 2020 war geprägt von sozialer Distanz, Abstandsregelungen, Verzicht, Existenzängsten, großer Sorge um Familie und Verwandte, Freunde und Bekannte. Es war auch ein Jahr der Gegensätze: Einerseits haben wir eine neue Dimension von Hilfsbereitschaft, Fürsorge und Sensibilität kennengelernt. Andererseits hat uns Corona die Gräben in unserer Gesellschaft einmal mehr schmerzlich vor Augen geführt – und tut dies immer noch. Von der erschreckenden Ignoranz einiger Mitmenschen möchte ich gar nicht anfangen.

In kommunikativer Hinsicht war dieses Jahr für viele Unternehmen turbulent und spannend zugleich. Interne Kommunikation und Zusammenarbeit mussten im Frühjahr von heute auf morgen umstrukturiert werden. Vollkommen neue Aufgaben waren zu bewältigen – etwa die Überwindung einer drohenden Spaltung der Mitarbeitenden in zwei Gruppen: in eine, die ins Homeoffice „durfte“ und eine andere, die in den Produktionshallen bleiben musste. Da waren gewohnte Kommunikationsstrategien und -maßnahmen mit einem Schlag hinfällig. Aber unter Druck wurden neue Lösungen aus dem Hut gezaubert – davon einige so spontan, mutig und kreativ, dass das ein oder andere Beraterherz höhergeschlagen hat.

Aber innehalten und das Ganze bewerten? Daran war bisher nicht zu denken. Das Credo lautete: „Hauptsache, der Laden läuft“. Dennoch: Für Unternehmen ist die Evaluation am Jahresende grundsätzlich wichtig – und in diesem Jahr erst recht. Was hat gut funktioniert und soll künftig beibehalten oder ausgebaut werden? Wo muss nachgebessert werden und wo braucht es neue Ideen und Lösungsansätze? Gerade weil zum jetzigen Zeitpunkt nicht klar ist, wohin die Reise im nächsten Jahr geht, sollten Interne und Externe Kommunikation gut aufgestellt sein. Nehmen Sie sich deshalb die Zeit für eine Bestandsaufnahme zum Jahresende und ziehen Sie Bilanz. Ein paar Gedanken zur Anregung…

Interne Kommunikation und Zusammenarbeit auf dem Prüfstand

Corona hat die Entwicklung hin zu flexibleren Arbeitsmodellen beschleunigt, denn mobiles Arbeiten ist inzwischen gelebte Praxis. Dort, wo es möglich ist, findet die Zusammenarbeit digital statt. Die Anforderungen an Führungskräfte und Beschäftigte haben sich dadurch massiv verändert.

  • Kollaboration: Schauen Sie sich die Zusammenarbeit in Ihrem Team bzw. Ihren Teams genauer an. Welche Tools nutzen Sie und werden diese den Anforderungen gerecht? Können alle Beschäftigten mit den Programmen umgehen? Wo braucht es gegebenenfalls neue Qualifikationen? Wie funktionieren interne Absprachen und wie hat sich Ihre Meetingkultur durch die neue Arbeitssituation verändert?
  • Kanäle und Formate: In einigen Unternehmen befindet sich seit dem Frühjahr die komplette Belegschaft im Homeoffice, in anderen nur ein Teil. Umso wichtiger ist es, den Informationsfluss aufrechtzuerhalten und alle Mitarbeitenden gleich gut zu erreichen. Wie gelingt Ihnen das? Benötigen Sie neue, zusätzliche Kanäle oder Formate?
  • Führung: Remote-Teams zu führen erfordert mehr als je zuvor eindeutiges Delegieren von Aufgaben und Verantwortlichkeiten, die Fähigkeit, zu vertrauen, sowie ein hohes Maß an Empathie und Achtsamkeit. Führungskräfte  müssen zudem über die Distanz ansprechbar bleiben und Sicherheit, Orientierung sowie Zuversicht vermitteln. Wie hat sich Ihre Führungskultur in den letzten Monaten verändert?
  • Teamzusammenhalt: Gerade in diesen schwierigen Zeiten sind „starke Teams“ das A und O. Nähe schaffen trotz räumlicher Distanz lautet die Devise. Wie steht es um den „Kitt“ in Ihrem Team? Was können Sie tun, um Ihre Beschäftigten weiterhin oder stärker emotional zu binden und zu motivieren?
  • Onboarding: Neue Beschäftigte steigen in diesen Zeiten in Teams ein, deren Mitglieder sich zum Großteil im Homeoffice befinden und lernen ihre neue Arbeitsumgebung teils selbst von zu Hause aus kennen. Auch digital muss es daher Strukturen geben, die „den Neuen“ Orientierung bieten und den Einstieg erleichtern. Wie nehmen Sie in diesen Zeiten neue Kolleginnen und Kollegen auf?

Externe Kommunikation: auf zu neuen Ufern

Auch Ihre externen Kommunikationsaktivitäten sollten Sie unter die Lupe nehmen. Es lohnt sich, genauer hinzuschauen und auszuloten, wo im kommenden Jahr die Schwerpunkte liegen sollen.

  • Ziele: Setzen Sie sich – trotz oder gerade wegen der unsicheren Zeiten – feste Kommunikationsziele für das kommende Jahr. Welche Ziele, die Sie im letzten Jahr nicht erreicht haben, nehmen Sie mit? Welche kommen neu hinzu?
  • Zielgruppen: Erreichen Sie Ihre Stakeholder noch? Welche erreichen Sie durch neue Formate vielleicht sogar besser als vorher? Sind neue Zielgruppen hinzugekommen? Wie können Sie sich diese in Zukunft „warmhalten“?
  • Botschaften und Themen: Besondere Zeiten erfordern besondere Sensibilität - gerade mit Blick auf die Platzierung von Themen und Botschaften bei Ihren externen Zielgruppen. Überlegen Sie sich daher gut: Stimmen Ihre Botschaften noch? Welche Themen möchten Sie spielen und wie möchten Sie diese spielen? Welche „Stories“ bieten Ihren Zielgruppen einen Mehrwert? Welche Themen aus dem letzten Jahr sind hinfällig?
  • Kanäle und Formate: In diesem Jahr wurden viele bestehende Formate in den digitalen Raum verlagert und es sind einige neue hinzugekommen. Gespräche mit Stakeholdern wurden und werden selbstverständlich via Videokonferenz geführt, Medienvertreter auf virtuelle Journalistenreisen mitgenommen, Online-Beteiligungsformate realisiert, diverse Podcasts wurden gestartet. Welche neuen Formate und Kanäle haben sich bei Ihnen in diesem Jahr bewährt? Von welchen alten können Sie sich im neuen Jahr trennen, weil sie ihren Zweck nicht (mehr) erfüllen?

All diese Punkte machen deutlich, dass am Ende eines so turbulenten Jahres eine schonungslose Bestandsaufnahme nottut. Das Ergebnis gibt uns die Chance, die kommunikative Zeitenwende, in der wir uns gerade befinden, mitzugestalten. Denn unterm Strich haben wir alle in den letzten zwölf Monaten viel dazugelernt. Mit diesem neuen Wissen starten wir ins neue Jahr – mit Mut, Kreativität und Experimentiergeist. Und damit stehen wir natürlich auch gerne wieder an Ihrer Seite.

Wir wünschen Ihnen eine besinnliche Weihnachtszeit im Kreise Ihrer Liebsten und einen guten Rutsch ins Jahr 2021. Bleiben Sie gesund!

Autor:in
Katharina Tielsch
Beraterin
+49 (0) 211 515805 – 25
k.tielsch@vomhoff.de