31. Juli 2019

Wenn Mitarbeiter zu Kommunikatoren werden …

Geht das überhaupt? Sollten sie das? Schließlich gibt es nicht umsonst eine Kommunikationsabteilung. In vielen Unternehmen hat mittlerweile das Social Intranet Einzug gehalten. Der Unterschied zu seinem klassischen Kollegen, dem Intranet, ist neben vielen organisatorischen und kollaborativen Lösungen noch einer: Die Mitarbeiter können selbst Inhalte schaffen. Über Chats in Gruppen, den tagtäglichen Austausch über die Plattform – und teilweise sogar mit eigenen Geschichten und Meldungen. Im Kommunikatoren-Sprech heißt es „Employee Generated Content“.

 

Ein Beispiel für die rigorose Umsetzung des Prinzips mitarbeitergesteuerter Inhalte lieferte Unity Media. Die Kommunikationsabteilung des Unternehmens hat im Zuge der Einführung ihres Social Intranets die eigenen Mitarbeiter quasi zu internen Redakteuren gemacht. „Vertrauen etablieren und Freiheiten zulassen“, lautet das Credo. Aber macht das Ihre Mitarbeiter schon zu Kommunikatoren?

 

Was Employee Generated Content kann …

 

Für eine offene Unternehmenskultur ist Employee Generated Content Gold wert, denn er fördert Dialog. Nicht nur untereinander. Die Stimme der Mitarbeiter bekommt so viel mehr Gewicht. Sie haben die Chance, Themenfelder mitzugestalten und sich im täglichen Diskurs ihres Unternehmens zu Wort zu melden. Das stärkt die Identifikation ungemein.

 

Sie machen Vorschläge, sie äußern ihre Meinung und erzählen gerne ihre Geschichten. Viel nahbarer bekommen Sie die aus Ihrem Unternehmen übrigens nicht. Das sind quasi auf dem Silbertablett servierte, unverfälschte Eindrücke und Einblicke, die im Zweifel mehr Abnehmer finden als die fünfte Meldung „von Oben“. Die eigenen Kollegen sind einfach oftmals näher dran. Das bedeutet nicht, dass das nicht auch der Selbstanspruch eines jeden Kommunikators sein sollte – aber trotzdem: Am Ende des Tages hat er seine Ohren eben nicht überall.

 

Besonders nicht in Phasen, in denen im Unternehmen viel los ist. Strategiewechsel, Restrukturierung, neue Arbeitsprozesse, dringende Presseanfragen, eine laufende Kampagne, … Sie alle können die Kapazitäten der Kommunikationsabteilung schon mal strapazieren. Sie kennen das sicher: Da muss dann eben erstmal die brennende Meldung raus, bevor vom Sommerfest am Vorabend berichtet wird. Diese Phasen können Mitarbeiter mit ihren eigenen Meldungen oder im Diskussionsforum des Social Intranets überbrücken – und die Profis damit zeitweise entlasten.

 

… und was nicht.

 

Trotzdem kompensieren Mitarbeiter nicht die Rolle eines Kommunikators. Eine wichtige Regel in der Unternehmenskommunikation lautet nach wie vor: „Intern ist gleich extern“. Wie es in die Fachabteilungen ruft, so schallt es auch hinaus. Und auch dann, wenn es kein Kommunikator ist, der ruft – der nebenbei etwas vom richtigen Ton versteht, wie man verständlich formuliert und davon, was gesagt werden sollte und was nicht –, verselbständigen sich die Inhalte schneller als gedacht.

 

Vergessen Sie nie: Ihre Mitarbeiter sind Ihre Multiplikatoren. Nicht nur beim eigenen Team sondern früher oder später auch in der breiten Öffentlichkeit. Komplexe Themen können zwar diskutiert werden, sie müssen dafür aber auch erst mal richtig und unverfälscht ankommen. Der Kommunikator weiß, wie er einen neuen unternehmensweiten IT-Prozess verständlich macht oder wie er spielerisch mit trockenen Themen umgeht, damit die Mannschaft nicht abschaltet und die wichtigen Infos trotzdem aufnimmt. Der Kommunikator weiß auch, wie er mit der empfindlichen Personalmeldung oder einer anstehenden Fusion umgeht. Nicht nur, was das Wording betrifft, sondern auch den richtigen Zeitpunkt.

 

Und was sagt die Kommunikationsberatung?

 

Employee Generated Content ist also noch lange keine professionelle Kommunikation. Aber er liefert auch in stressigen Zeiten die im Team beliebten „bunten Themen“ und die zugrundeliegende Idee verfolgt einen einleuchtenden Zweck. Employee Generated Content fördert Meinungsaustausch und stärkt zweifellos das Zugehörigkeitsgefühl Ihrer Mitarbeiter. Daran kann nichts falsch sein.

 

Mein Vorschlag: Das klingt vielleicht etwas lapidar, aber probieren Sie es einfach mal aus. Sollten die nötigen Plattformen wie beispielsweise das Social Intranet noch nicht bestehen, dann übernehmen wir das gerne für Sie. Lassen Sie jedoch Ihren Kommunikatoren den nötigen Spielraum, um zu moderieren und zu übernehmen, wenn wichtige Themen professionell auf den Punkt gebracht werden sollen. Denn dafür gibt es Sie mit gutem Recht.


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