2.10.2020
Blog

Trotz Abstand im Gespräch bleiben: Nachbarschaftskommunikation und Öffentlichkeitsbeteiligung in Corona-Zeiten

  • Hygiene-und Abstandsregelungen erschweren den persönlichen Dialog am Standort
  • Unternehmen sollten den Austausch mit Zielgruppen vor Ort jedoch nicht abreißen lassen
  • Digitale Formate und kreative Lösungen können nicht nur Ersatz, sondern Mehrwert für alle schaffen
von
Karin Geßwein
Lesedauer: 3 Minuten

Während des Corona-Lockdowns haben wir so viel Zeit zu Hause verbracht wie selten. Viele haben ihr Wohnumfeld dabei ganz neu entdeckt, sich wieder vermehrt mit ihren Nachbarn ausgetauscht oder sogar aktive Nachbarschaftshilfe geleistet.

Doch was im Privaten zu einer Revitalisierung der Nachbarschaft führte, sorgte an anderer Stelle für vorübergehende Funkstille: Viele Unternehmen mussten ihre Nachbarschaftskommunikation neu ausrichten. Wer bislang auf Veranstaltungen, Volksfest-Sponsoring und persönlichen Austausch gesetzt hat, musste ab März neu planen.

Denn mit der Covid19-Pandemie haben sich die Rahmenbedingungen geändert. Gerade Industrieunternehmen haben strenge Hygienevorschriften, um die Gesundheit ihrer Belegschaft zu schützen. Besuche im Betrieb? Derzeit keine Option. Bürgerinformationsveranstaltungen mit mehr als 100 Personen? Zu riskant. Nachbarschafts-Stammtisch im Restaurant? Für viele keine angenehme Vorstellung. Das ist jedoch kein Grund, sich als Nachbarschaftskommunikator einzuigeln und auf bessere Zeiten zu warten.

Neue Formate für den Bürgerdialog

Hygiene- und Abstandsregelungen machen die Planungen vielleicht aufwendiger, aber nicht unmöglich. Und es gibt eine Reihe digitaler und analoger Lösungen, um den Draht zur Nachbarschaft nicht abreißen zu lassen.

Telefonsprechstunde: Das Nachbarschaftsbüro mag geschlossen sein. Telefonisch können Unternehmen aber den Kontakt zu ihren Zielgruppen halten – zum Beispiel mit einer regelmäßigen Sprechstunde. Hier können neben den Kommunikatoren auch wechselweise Fachleute, Azubis oder der Standortleiter stundenweise Fragen beantworten.

Virtuelle Werkstour: Auch wenn voll besetzte Bustouren durch das Werk gerade nicht möglich sind, können Unternehmen Einblicke gewähren. Mit virtuellen Touren für verschiedenste Zielgruppen wie Nachbarn, Politikern, Schülern oder Journalisten. Virtuelle Journalistenreisen sind bereits erfolgreich erprobt. Wer lieber nicht live senden möchte, kann 360°-Touren anbieten, die jederzeit im Web abrufbar sind. Die sind auch noch spannend, wenn die Tore zum Werk wieder für Besucher geöffnet werden können.

Neue Wege für Dialogveranstaltungen: Bürgerinformationsveranstaltungen sind für die frühe Öffentlichkeitsbeteiligung zu Infrastruktur- und Industrieprojekten zum Standard geworden – oftmals mit mehr als 100 Personen. Einige Unternehmen bieten zudem projektunabhängig Dialogveranstaltungen an. Zwei Lösungsansätze können hier Ersatz bieten: Entweder werden mehrere Veranstaltungen zeitversetzt angeboten oder die Veranstaltung wird in den virtuellen Raum verlagert. Erfahrungen mit digitalen Nachbarschaftsveranstaltungen zeigen, dass auf diesem Weg sogar völlig neueZielgruppen (z.B. Familien mit kleineren Kindern) erreicht werden können.

Social Media: Last but not least gibt Corona einigen auch den notwendigen „Schubs“, um den digitalen Dialog zu wagen. Auf Social-Media-Plattformen kann der Dialog mit den Nachbarn problemlos fortgesetzt werden. Dazu empfiehlt sich ein durchdachtes und langfristiges Konzept, das mit der Wahl des richtigen Social-Media-Kanals beginnt und eine Content-Strategie sowie Guidelines für das Community Management umfasst.

Herausforderungen wecken Kreativität

Letztendlich gilt: Außergewöhnliche Zeiten erfordern außergewöhnliche Maßnahmen. Kreativ sein und ausprobieren ist jetzt eindeutig erlaubt. Die Schule vor Ort schließt? Warum Lehrern und Schülern nicht mit Experimenten per Video das Homeschooling erleichtern. Lokale Geschäfte und kleinere Betriebe sind mit Hygiene-Maßnahmen überfordert? Warum nicht im lokalen Netzwerk Wissen bei virtuellen Roundtables weitergeben. Die lokale Karrieremesse fällt aus? Warum nicht eine Azubi-Sprechstunde via Instagram anbieten.

So entstehen in diesen herausfordernden Zeiten vielleicht sogar neue Formate, die die Nachbarschaftskommunikation dauerhaft bereichern. Oder noch besser: die einen echten Mehrwert für die Zielgruppe in dieser schwierigen Zeit schaffen. Es ist also an uns Kommunikatoren, kreative Wege zu finden, um trotz Hygiene- und Abstandsregelungen in Kontakt zu bleiben und uns als verlässlicher Partner zu erweisen. Schließlich erwartet man von einem guten Nachbarn, dass er gerade in schwierigen Zeiten vor Ort mit anpackt und nicht einfach seine Werbebanner einrollt und abtaucht.

Autor
Karin Geßwein
Senior Beraterin
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