2.6.2021
Blog

Transformation gestalten – jetzt!

  • Die Bundestagswahl 2021 wird eine Richtungswahl, die das politische Kräftegleichgewicht in Deutschland verschieben könnte
  • Das bedeutet neue regulatorische, operative und kommunikative Herausforderungen, aber auch Chancen für Unternehmen
  • Es wird noch wichtiger, die eigene Rolle im Transformationsprozess zu definieren und wirkungsvoll zu vertreten
von
Katharina Tielsch
Lesedauer: 3 Minuten

Unsere Gesellschaft befindet sich in einem immer schneller werdenden Umbruch. Überall finden tiefgreifende Veränderungsprozesse statt, sogar Verwerfungen. Neben altbekannten Megatrends – „Globalisierung“, „Urbanisierung“ oder „Mobilität“ – sprechen wir heute auch von „Gender Shift”, „Silver Society“, „Konnektivität“ und „New Work“.

Für Unternehmen, insbesondere aus der Industrie, wird der Megatrend „Neo-Ökologie“ absehbar zum entscheidenden Maßstab ihrer unternehmerischen Aktivitäten. Das betrifft vordergründig Unternehmen, die einen hohen Energiebedarf und -verbrauch, hohe Energiekosten und CO2-Emissionen haben – sei es durch Produktion oder Logistik.

De facto wird aber jedes einzelne Unternehmen stärker in die Pflicht genommen. Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein werden zu zentralen Faktoren wirtschaftlichen Handelns. Mehr noch: Sie werden unser Wirtschaftssystem entscheidend verändern. Gleichzeitig richtet sich auch die Finanzwelt zunehmend am Faktor Nachhaltigkeit aus. Mit der Zielvorgabe der Treibhausgasneutralität ergeben sich für Unternehmen eine Vielzahl technischer Herausforderungen – und nicht zuletzt auch eine ganze Reihe kommunikativer Aufgaben, nach innen wie nach außen.

Politische Leitplanken für Nachhaltigkeit

Auch die politischen Rahmenbedingungen ändern sich und weisen den Weg in eine nachhaltige Zukunft. So haben die Vereinten Nationen schon 2015 ihre Agenda 2030 mit den 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung verabschiedet. Neben dem ökologischen werden darin auch der ökonomische und der soziale Aspekt der Nachhaltigkeit berücksichtigt.

Im April 2021 haben sich das Europäische Parlament und der Rat der EU außerdem auf ein Europäisches Klimagesetz verständigt, das die Pariser Klimaziele festschreibt und nun bis 2030 eine CO2-Reduktion von 55 Prozent vorsieht. Die Klimaschutzgesetzgebung ist auch in Deutschland Thema auf allen Ebenen. Zuletzt hat das Bundesverfassungsgericht das Nationale Klimaschutzgesetz als verfassungswidrig erklärt, da es die Freiheitsrechte der jungen Generationen verletzt.

Bundestagswahl wird Richtungswahl

Es vollzieht sich ein fundamentaler gesellschaftlicher Wandel, induziert durch selbstbewusste Umweltverbände und befeuert durch Bewegungen wie Fridays for Future, die sich längst nicht mehr auf die junge Generation beschränken, sondern sich generationenübergreifend für die Bewältigung der Klimakrise einsetzen. Der Umweltgedanke führt zu einem Erstarken grüner Politik, wie die Europawahl 2019 sowie diverse Landtagswahlen eindrucksvoll bewiesen haben.

Diese Entwicklung schlägt sich auch in den aktuellen Umfragewerten zur bevorstehenden Bundestagswahl nieder: Demnach könnten die Grünen Regierungsverantwortung übernehmen – ob als erste oder zweite Kraft und in welcher Parteienkonstellation bleibt abzuwarten. Klar ist aber: Die Wahl im September wird zu einer Richtungswahl, die das politische Kräftegleichgewicht in Deutschland verschieben und den Aufbruch in eine klimaverträglichere Zukunft markieren könnte.

Mit großen Schritten Richtung Klimaneutralität?

Wie sähe diese Politik aus? „Wir stellen in einer künftigen Regierung das Pariser Klimaabkommen in den Mittelpunkt und richten das Handeln aller Ministerien danach aus“, heißt es im aktuellen Wahlprogrammentwurf der Grünen zur Bundestagswahl. Klimaschutz könnte demnach in allen Politikfeldern eine übergeordnete Rolle spielen und Entscheidungen würden sich stärker als bisher an ihrem Beitrag zu einer nachhaltigen und insbesondere klimaverträglichen Zukunft orientieren.

Hierzu gehören etwa ein beschleunigter Kohleausstieg, die Reduzierung der CO2-Emissionen um 70 Prozent bis 2030, eine Klimaverträglichkeitsprüfung für neue Gesetze in Form einer „CO2-Bremse“ und die Verankerung der Klimaziele im Grundgesetz. Mit anderen Worten: Die begonnene Transformation hin zu einer nachhaltigeren Wirtschaftsweise und zu Klimaneutralität 2050 (oder schon 2045?) wird sich nicht nur fortsetzen, sie wird nochmals an Fahrt aufnehmen.

„Malt euch nicht grün an – werdet grün!“

Für Unternehmen und Organisationen würde dies neue regulatorische, operative und kommunikative Herausforderungen, aber auch Chancen bedeuten. Es wird noch wichtiger, Verantwortung zu übernehmen und einen aktiven Beitrag zum Erreichen der Klimaziele zu leisten. Denn die gesellschaftlichen Erwartungen an Unternehmen verändern sich, was sich unter anderem in der Nachfrage nach nachhaltigeren Produkten und im Kaufverhalten manifestiert.

Insgesamt wird die konkrete Beweisführung eine stärkere Rolle spielen – nach innen und nach außen: Welchen „echten“ Beitrag leisten wir zur Energiewende und zum Klimaschutz? Wie reduzieren wir Treibhausgasemissionen? Wo führen wir Produkte im Kreislauf? Mit der Forderung nach konkreten Beweisen wächst der Erklärungsbedarf und damit auch der öffentliche Rechtfertigungsdruck. Hier warten allerhand Aufgaben für Kommunikationsabteilungen, denn die Akzeptanz für Produkte und deren Nachfrage wird zunehmend von der Reputation der produzierenden Unternehmen abhängig sein.

„Wenn nicht jetzt, wann dann?”

Unternehmen haben jetzt die Chance, sich frühzeitig auf neue politische Rahmenbedingungen einzustellen. Das bedeutet, aufmerksam zu sein und den Verlauf der bereits begonnen Transformation – wo möglich – zu antizipieren. Hier kommen die Instrumente von Public Affairs ins Spiel: von Monitoring und Analyse über Folgenabschätzung, Szenarienentwicklung bis hin zur Strategieausarbeitung und -umsetzung.

Für Unternehmen wird es zudem einmal mehr darauf ankommen, die eigene Rolle im Transformationsprozess zu definieren und in der internen sowie externen Öffentlichkeit glaubhaft zu vertreten. Ziel sollte es sein, den Wandel nicht nur zu begleiten, sondern ihn aktiv mitzugestalten. Dann hat die Transformation auch das Potenzial, von der Herausforderung zur Chance zu werden.

Denn es geht um nicht weniger als um die eigene Reputation. Es geht darum, die eigenen Interessen als zukunftsfähiges Unternehmen in einem veränderten politischen und gesellschaftlichen Umfeld wirksam zu vertreten. Dazu braucht es vor allem Authentizität, Gespür für Situationen, Wissen um richtige Zeitpunkte und natürlich: gute Kommunikation.

Autor:in
Katharina Tielsch
Beraterin
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