15.10.2021
News

Nachgehakt: Drei Fragen an Florian Weisker

  • Public Affairs-Arbeit ist erfolgskritischer Faktor für Unternehmen
  • Lobbying muss stets transparent und nachvollziehbar sein
  • Geschäftsführer Florian Weisker ordnet die professionelle Interessensvertretung ein
von
Rebekka Vitz
Lesedauer: 2 Minuten

Die Berufsbezeichnung Public Affairs-Manager:in wird häufig als Euphemismus für den:die Lobbyist:in verwendet. Was sagst du dazu?

Leider gibt es hier immer noch eine gewisse Sprachverwirrung, weil unterschiedliche Definitionen nebeneinander existieren. Beiden Begriffen gemein ist der Umstand, dass es sich um Interessensvertretung handelt. Für mich umfasst Public Affairs das strategische Management der Beziehungen einer Organisation mit dem gesamten nicht-kommerziellen Umfeld. Dazu gehören – neben Nachbarschaft, Verbänden, Verwaltungen und Behörden – auch Amts- und Mandatsträger:innen aus Regierungen und Parlamenten. Lobbying hingegen ist eines von mehreren Instrumenten, auf die Public Affairs-Verantwortliche zurückgreifen können. Im Kern meint Lobbying die gezielte Einflussnahme auf Gesetzesvorhaben.

Lobbyist:innen genießen nicht den besten Ruf. Warum eigentlich? Und welche Rolle kann dabei das neue Lobbyregister spielen? 

Für dieses Image gibt es sicherlich mehr als eine Ursache. Vorfälle wie die Maskenaffäre zählen dazu. Lobbyarbeit ist nichts Verwerfliches, sofern sie transparent und nachvollziehbar ist. Im Gegenteil: Es handelt sich um ein legitimes Instrument politischer Interessenvertretung. Denn politische Willensbildung hat nun mal auf der Basis möglichst vieler unterschiedlicher Interessen stattzufinden. Zudem tragen Unternehmen und Verbände dazu bei, dass am Ende des politischen Prozesses ein Ergebnis steht, das in der Praxis anwendbar ist. Was allerdings nicht geht, ist „Hinterzimmerpolitik“ –  also eine Interessenvertretung im Verborgenen, die weder nachvollziehbar noch nachprüfbar ist und rechtliche wie ethische Grundsätze missachtet. Um dem entgegenzuwirken, wurde dem Lobbying im Frühjahr mit dem „Lobbyregistergesetz“ ein Rahmen gegeben.

Warum ist die Public Affairs-Arbeit gerade für Unternehmen und deren Kommunikator:innen wichtig?

Unternehmen bewegen sich nicht im luftleeren Raum. Sie sind abhängig von einer kaum zählbaren Menge von Gesetzen, Verordnungen, Richtlinien, Grenz- und Anhaltswerten. Unabhängig von deren Nutzen, verursachen solche Regelungen häufig zusätzliche Kosten oder sind mit erheblichem Zeitaufwand verbunden – es geht hier also ganz klar um erfolgskritische Faktoren. Deshalb ist es so wichtig, Themen und Entwicklungen im politischen und gesellschaftlichen Umfeld im Blick zu behalten, sie einzuordnen und sie bei Bedarf frühzeitig im Sinne des Unternehmens mitzugestalten.

Das Interview stammt aus dem vom Hoff-Newsletter. Es wurde im September 2021 veröffentlicht.

Autor:in
Rebekka Vitz
Beraterin
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r.vitz@vomhoff.de