18.1.2021
Blog

Der Versöhner: Warum Laschets Rede beeindruckt hat

  • Erster digitaler Parteitag in der Geschichte der CDU
  • Laschet wird mit emotionaler Rede neuer Vorsitzender der Christdemokraten
  • Vertrauen im Fokus: Klartext statt Polarisierung
von
Katharina Tielsch
Lesedauer: 2 Minuten

Es war eine Premiere: der erste digitale Parteitag in der Geschichte der CDU. 1001 Delegierte waren digital zugeschaltet, verfolgten die Reden von Armin Laschet, Norbert Röttgen und Friedrich Merz im Stream. Am Ende wählten sie Laschet via Online-Abstimmung zum neuen Bundesvorsitzenden der CDU. Eine ungewohnte Situation.

Noch befremdlicher dürfte die Situation allerdings für die drei Kandidaten gewesen sein: gähnende Leere in der Berliner Messehalle, sterile Fernsehstudio-Atmosphäre, es herrschte Stille. Wer schonmal eine Rede gehalten hat, weiß, dass Reaktionen aus dem Zuschauerraum essenziell sind.  

Noch bevor Röttgen das Rednerpult verließ, war sich ein großer Teil der Netzgemeinschaft einig: Laschets Rede war überzeugender als die seiner Mitstreiter. Einige gehen heute noch weiter und bewerten die Rede als die beste seiner politischen Karriere. Aber was genau ist es, was seine Rede so „stark“ gemacht hat? Womit hat er überzeugt?

Big picture – Rhetorik und Gesten, die bewegen

Als roten Faden seiner Rede wählte der NRW-Ministerpräsident den Begriff Vertrauen und als „Klammer“ die Geschichte seines Vaters: Damit zeichnete er ein emotionales und zugleich authentisches Bild seines Werdegangs. Sein Vater, ein Bergmann, von dem er gelernt habe, dass untertage nur zähle, ob man sich auf den anderen verlassen könne. Hierfür steht die Erkennungsmarke des Vaters, die Laschet zum Ende seiner Rede in die Kamera hält. Geschickt ist das, weil es sich um eine persönliche Geschichte, eine Familiengeschichte handelt. Laschet hat es so geschafft, seine Zuhörer schon zu Beginn seiner Rede emotional abzuholen und mitzunehmen.

Klartext statt polarisieren

Die Brücke zur Politik schlug Laschet elegant, denn auch hier ist Vertrauen zentral. Er positionierte sich eindeutig gegen Rechtsaußen, nannte den Sturm auf das Kapitol in den USA und das Attentat auf den Kassler Regierungspräsidenten. Man lasse sich das Land von „Rechtsterroristen“ und „geistigen Brandstiftern“ nicht kaputt machen. Es brauche Klartext, aber keine Polarisierung – denn die könne jeder.  

Laschet setzt dabei auf den Dialog – und zwar auch mit denjenigen, die andere Positionen vertreten: Man müsse zuhören, auch mal Unangenehmes hören. Ziel müsse es sein, die Gesellschaft zusammenzuhalten, Menschen zusammenzuführen. Laschet gab sich als Versöhner,  der für Geschlossenheit und Kompromissfähigkeit steht.

Authentizität wird belohnt

Aber es sind nicht nur die Worte, die bei einer Rede sprechen. Auch Körperhaltung, Gestik und Mimik sind entscheidend. Laschet hat es geschafft, das auszustrahlen, woran es ihm in den vergangenen Monaten häufig gefehlt hat: Entschlossenheit und Verbindlichkeit. Als er die Geschichte seines Vaters erzählte, gelang es ihm zudem, menschlich, nahbar, geradezu intim zu wirken – trotz räumlicher Trennung zu den Delegierten vor dem heimischen Bildschirm. Abgerundet wurde das durch sein eigenes Statement am Ende der Rede: „Ich bin vielleicht nicht der Mann der perfekten Inszenierungen, aber ich bin Armin Laschet. Darauf können Sie sich verlassen.“ Die Botschaft ist eindeutig: Ich bin nicht perfekt, aber bei mir wisst ihr, woran ihr seid. Ihr kennt mich, ihr könnt mir vertrauen.  

Ob und wie er seiner Aufgabe nun tatsächlich gerecht wird, bleibt abzuwarten. Denn was am Ende zählt, hat Laschet selbst gesagt: Vertrauen entsteht nur, wenn Worte und Taten zusammenpassen.  

Autor
Katharina Tielsch
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