7. September 2010

Kampagne der Atomlobby zeigt Verbänden wie es geht

Zögerlichkeit war gestern – der medial inszenierte Vorstoß der Energiebranche für die Verlängerung der Atomlaufzeiten hat sich gelohnt.
In ganzseitigen Textanzeigen in regionalen und bundesweiten Printmedien hatten die Vorstände der Energiekonzerne sowie weitere prominente Wirtschaftskapitäne für längere Laufzeiten der Atommeiler geworben. Und das offensichtlich mit Erfolg. Zwölf Jahre mehr stehen für den „Ausstieg aus dem Ausstieg“ der ehemals unter rot-grüner Regierung beschlossenen Energiepolitik.
Interessant aus PR-Sicht ist, dass sich in dieser Sache nicht der BDI als Sprachrohr der Industrie zu Worte meldet. Vielmehr handelt es sich um eine Art Aktionsbündnis unter Federführung des RWE-Chefs Großmann, der hier autonome Politik betreibt.
Ist lautes Vorgehen nun der Maßstab aller Dinge, wenn Verbände für ihr Anliegen werben wollen? Schon ist von PR-Experten zu lesen „Verbände haben sich abgenutzt“, so, als ob es einen Paradigmenwechsel im Kommunikationsverhalten gäbe. Verbände leisten trotz ihrer pluralen Strukturen immer noch den wesentlichen Beitrag zur politischen Meinungsbildung.
Dennoch stellt sich die Frage: Führt durch Wirtschaftsorganisationen medial ausgeübter Druck automatisch zum Einschwenken bei wichtigen Fragen der Bundesregierung?
Dieser Automatismus greift nicht immer. Auch wenn der Einfluss leidenschaftlicher Appelle auf die Entscheidungsfindung der politischen Akteure erkennbar ist.
Politische Arbeit ist allerdings nach wie vor mit Diplomatie, Sachargumentation und dem sprichwörtlichen langem Atem in Verbindung zu bringen. Auch wenn plakativ vorgetragene Argumente Emotionen entfachen und kurzfristige Erfolge versprechen; was bleibt ist der Dialog, sind Inhalte, plausible und überzeugend vorgetragen.
Übrigens, was wäre, wenn die Kanzlerin sich in der Sache anders entschieden hätte? Auch das hätte eine Option sein können.
Fakt ist, politische Überzeugungsarbeit ist ein dickes Brett. Dünne Bretter sind manchmal leichter zu bohren. Zuweilen rutscht allerdings der Bohrer ab und führt zu Verletzungen. Das will wohl keiner.


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