1. März 2018

Gegen Empfangsstörungen hilft: guter Stil

Überall wird geschrieben. Journalisten sind längst nicht mehr die einzigen Sender. Theoretisch kann jeder, der möchte, einen Text veröffentlichen, denn die Anzahl möglicher Plattformen dafür folgt weiter ihrem Aufwärtstrend. Magazine, Websites, Blogs, Facebook-, Twitter- und Instagram-Kanäle ergänzen längst wie selbstverständlich den klassischen Weg, Informationen über Journalisten zu spielen.

 

Unternehmen und Verbände genauso wie Einzelpersonen teilen sich mit. Mit dieser Entwicklung wird die Frage nach Relevanz unter Schreibern und Kommunikatoren immer wichtiger, um sich im Mediensumpf zu behaupten. Den Zugang zum Adressaten schafft ein aktuelles Thema, das ihn betrifft. So weit sehr richtig. Es fehlt aber noch ein Schritt. Nicht jedes richtig gesetzte Thema zündet beim Leser. Es verfängt, was klar im Kopf bleibt – und das schafft nur ein guter Stil, der den Kommunikationszweck nicht verfehlt.

 

Das oberste Gebot ist Klarheit

 

Egal ob Interview, Bericht, Pressemeldung, Social Media Post oder Video – der Angesprochene muss uns verstehen, wenn wir möchten, dass er uns bis zum Ende folgt. Oberstes Gebot ist hier: Es hilft nichts, seinen eigenen Kopf durchzusetzen. Stil ist nicht nur, was dem Autor gefällt, sondern auch, was den Adressaten abholt. Ich schreibe bewusst „nicht nur“, denn ich möchte nicht behaupten, eine persönliche Note wäre schlecht. Von ihr lebt ein guter Text. Aber nur dann, wenn er ankommt. Wie lässt sich also ein guter Text beschreiben? Er ist …

 

  • einfach. Und damit ist nicht gemeint: stupide. Es braucht nur nicht immer das pompöse Bild. Oft reicht ein treffsicherer Vergleich, um einen komplexen Sachverhalt auf den Punkt zu bringen.
  • nahbar. Der Schreiber darf von hochwissenschaftlichen Wortgebilden abrücken, sofern er mit einem bekannten Begriff die Wahrheit sagt.
  • direkt. Gerade heraus wirkt Sprache mehr als hinten herum und verdreht. Ich möchte jemanden erreichen, nicht mich darstellen.

Ein klarer Text lebt immer vom direkten Weg. Schön kann er trotzdem sein.

 

Stilsicher durch ein Wimmelbild aus Kanälen

 

Dieser Grundsatz funktioniert im Übrigen für alle Medien – er ist universell. Dennoch verlangen unterschiedliche Kanäle unterschiedliche Stilelemente. Eines davon ist schlicht eine Zeichenbegrenzung. Dafür ist ein Twitter-Beitrag ein gutes Beispiel. Der Social-Media-Kanal lebt von Kurznachrichten zwischen monatlich über 300 Millionen Nutzern. Das Prinzip sind minütliche Updates, kurze alltägliche Eindrücke und Neuigkeiten in Echtzeit.

 

Wer das erwartet, liest bei Twitter keine drei Seiten Text. Auch dann nicht, wenn es möglich wäre. Wo wir gerade dabei sind: Selbst mit der doppelten Zeichenzahl von immer noch „nur“ 280 verfehlt das Medium seine ursprüngliche Idee … Aber jetzt gibt es sie nun mal – und auch sie funktioniert dann am besten, wenn der Absender sich darin auf’s Wesentliche beschränkt.

 

Ein anderes Beispiel ist der Blog. Den haben private Schreiber ursprünglich für Berichte von Urlaubsreisen und später für ihre Essgewohnheiten entdeckt. Mittlerweile hat er an Bedeutung gewonnen und es bedienen sich auch große Konzerne des Kanals. Der Blog ist vielseitig. Er darf ein bisschen verspielter sein und erinnert hier und da an ein Essay: ein bestimmtes Thema aufgreifend und subjektiv gefärbt. Blogger schreiben häufig in der Ich-Perspektive und veröffentlichen mehrere Beiträge chronologisch. Auch wenn das Format in seiner Art eher frei gehalten ist, gewinnt es durch klar vermittelte Gedanken und eine publikumsnahe Ansprache.

 

Wenig rütteln lässt sich an der Pressemitteilung. Hier gilt: das Wichtigste zuerst in möglichst knapper Form auf den Punkt gebracht. Sie informiert und transportiert eine Nachricht. Dafür benötigt sie einen Einstieg, der verfängt. Journalisten bekommen ihre Informationen mittlerweile von zahlreichen anderen Medien. Unter Zeitdruck lesen sie die ersten zwei Sätze und entscheiden, ob sie das Thema mitnehmen. Ein spannender Inhalt muss also schnell transportiert werden. Einmal mehr bedeutet das: Einfachheit siegt.

 

Mut zur (vertretbaren) Lücke

 

Im Sinne eines eingängigen Textes darf an der Fülle gerne gespart werden. Ich würde soweit gehen und das Streichen im eigenen Text als Königsdisziplin beschreiben. Guter Stil beschränkt sich häufig auf das, was wirklich gesagt werden muss. Er streicht Sätze, die einem ans Herz gewachsen sind, um prägnant zu sein. Er hält sich an ausdrucksstarke Worte, ohne sie zu verdünnen.

 

Überraschend anders

 

Dabei können wir einen Text trotzdem abwechslungsreich gestalten. Manch einer tendiert zu immer gleichen Satzanfängen. Der Leser bleibt aber eher dabei, wenn er auf einen plötzlichen Wechsel stößt, der eine Aussage besonders betont. Unterschiedliche Satzlängen ermüden weniger als endlose Schleifen. Und um noch einen Klassiker mitzunehmen: Anstelle von „dann, dann, dann …“ geht auch „anschließend, folglich, im Anschluss, weiterhin, …“ Das ist nicht die ganze Kunst, aber das Prinzip gilt. Im Endeffekt spielen wir gegen die Zeit – nämlich die Aufmerksamkeitsspanne des Empfängers. Warum sollte er unseren Beitrag lesen, wenn ihm gleichzeitig 100 andere zur Verfügung stehen?

 

Schreiber, strengt euch nicht zu sehr an

 

Zuletzt bleibt ein guter Rat: Wer sich zu sehr bemüht, hat schnell verloren. Die perfekte Satzkonstruktion ist oft zu sperrig. Zu viel des Guten lenkt ab, etwa bei Füllwörtern und vermittelnden Phrasen. Gestelzte Nominalmonster vergraulen den Leser nach kürzester Zeit. Das Ergebnis wirkt konstruiert und gezwungen. Unsere Zielgruppen merken es, wenn wir nicht authentisch kommunizieren. Sie schätzen aber das Gegenteil. Nämlich einen gut gemachten Text, aus dem sie etwas Neues mitnehmen und der bequem in ihren Alltag passt – unabhängig vom Medium und unabhängig vom Thema.


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