14. März 2018

Clickbaiting – Was hinter dieser Masche steckt, werden Sie nie glauben!

Wissen Sie, was Clickbaiting ist? Falls nicht: Sie haben soeben (vielleicht ganz unbewusst) eine typische Clickbait-Überschrift angeklickt. Für diejenigen, die Clickbaiting kennen: die Überschrift dient nur als Beispiel, bitte klicken Sie nicht gleich weg.

 

Was genau bedeutet Clickbaiting also nun? Das Wort „Click“ lässt sich leicht übersetzen: es bedeutet ganz einfach „Klick“ und bezeichnet meist die Klickzahl von Onlineartikeln oder Links. „Bait“ heißt ins Deutsche übersetzt Köder. Clickbaiting meint demnach das Anlocken oder Ködern von Lesern/Zuschauern, die wiederum für hohe Klickzahlen – und somit auch für höhere Werbeeinnahmen – sorgen.

 

Nun lässt sich an dieser Stelle bereits der Vergleich zu Printmedien ziehen, denn auch Zeitungsartikel nutzen die Überschrift eines Artikels, um das Interesse des Lesers zu wecken. Eben das ist ja auch die Aufgabe eines Titels. Man will Schlagzeilen machen, das Interesse des Lesers wecken und darauf aufbauend Wissen vermitteln.

 

Dass ein Titel den Leser überzeugen und ansprechen soll, ist also nichts Neues und per se auch nicht verwerflich. Eine Überschrift sollte man kurz, knapp und knackig halten. Aber dann erwartet der Leser eben auch einen knackigen Artikel. Und damit meine ich nicht nur die emotionale Spannung, die ein Titel beim Leser erzeugt, sondern auch den hohen Informationsgehalt eines Artikels.

 

GROßBUCHSTABEN FÜR MEHR KLICKS

 

Beim Clickbaiting ist der Inhalt jedoch Nebensache. Hier geht es um die Klickzahlen, um’s Geld machen. Je öfter der Artikel geklickt wird, desto höher sind die Einnahmen. Provokante, oft auch gefettete oder in Großbuchstaben geschriebene Überschriften lassen so manch einem Internetseitenbetreiber die Dollarzeichen in die Augen schießen.

 

Denn die Methode funktioniert (leider). Titel wie „Was diese Frau beim Geschäftsessen gemacht hat, werden Sie nie glauben“ oder „Achtung: diese 10 Fakten über Lebensmittel haben Sie garantiert noch nicht gewusst“ oder „Was auf diesem Zettel steht, berührt Millionen Menschen weltweit“ wecken beim Leser den Eindruck, er oder sie wisse etwas Fundamentales nicht. Etwas, das ihn oder sie in seinem Berufs- oder Alltagsleben persönlich betrifft. Ein Gefühl des Außenseiter-Seins tritt auf. Man möchte wissen, was Millionen Menschen weltweit berührt, ein Teil dieses Erlebnisses sein.

 

Folglich wird mit diesen Methoden immer die emotionale Ebene eines Menschen angesprochen und grundlegende Gefühle wie Trauer, Wut, Mitgefühl und Liebe provoziert. Der Leser möchte seine Wissenslücke oder sein Gefühlschaos ganz intuitiv schließen und genau das nutzt Clickbaiting aus. Wenn der Leser ganz gebannt auf den verlinkten Artikel klickt und erfährt, dass die Frau das Geschäftsessen lediglich kurz verlassen hat, weil ihre 6-Jährige Tochter angerufen hat, ist die Enttäuschung nur auf Leserseite groß, nicht aber auf Verfasserseite. Denn wo nur der Klick zählt, ist die Zufriedenheit des Lesers irrelevant.

 

Content is king

 

Der Unterschied liegt also im qualitativen Informationsgehalt und der Wissensvermittlung. Wohingegen ein Artikel mit packender Überschrift Informationen über das entsprechende Thema vermittelt, führt der Clickbait-Artikel ins Leere. In Zeiten von medialer Überladung von Nachrichten, Bildern, Tweets oder Posts bleibt es nicht aus, dass man mit Hilfe von Titeln oder visuellen Materialien Leser aufmerksam machen muss.

 

User müssen neugierig gemacht werden, ansonsten sind sie schon vom Titel gelangweilt und scrollen weiter. Auch im Printbereich ist es (wenn auch im Vergleich zu Onlinemedien in abgeschwächter Form) nach wie vor relevant und grundlegend, packende Titel zu formulieren. Man darf dabei aber nicht den Inhalt und den Bezug von Titel zu Text außer Acht lassen.

 

Den Grad zwischen Sensation und Bodenständigkeit sollte man vorsichtig wählen. Denn gerade in den Zeiten von Digitalisierung und sozialen Netzwerken ist die Qualität der Inhalte umso wichtiger, um Leser langfristig zu erreichen, zu überzeugen und schließlich auch zu binden. Wenn Sie also einen Text schreiben, der Leser emotional mitnehmen und einen informativen Mehrwert bieten soll, konzentrieren Sie sich nicht allein auf die Überschrift.

 

Am Ende ist es also gar nicht so schlimm, auf Clickbaiting zu reagieren, aber man muss sich bewusst sein, dass die Intention solcher Artikel eben nicht die Mitteilung von relevanten Nachrichten ist, sondern vorrangig der Werbeverdienst. Ein passenderer Titel für diesen Blogbeitrag wäre daher vermutlich „Ein kritischer Kommentar über die Verwendung von Clickbaiting in Onlinemedien“. Oder kurz, knapp und knackig: „Content is king“.


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