5. Dezember 2018

Bürgerdialog – ja, nein, vielleicht. Ein Plädoyer für mehr Offenheit im Umgang mit Bürgern und den eigenen Nachbarn

Immer wieder verschmäht, oft gefürchtet und doch sehr lohnenswert – die Rede ist vom Bürgerdialog. Der klassische Kommunikationskanal, der in vielen Fällen erst dann von Unternehmen ins Leben gerufen wird, wenn es brennt und ein konkretes Vorhaben vor der Tür steht. Genehmigungsverfahren, Ereignisfälle, Stellenabbau – erst in solchen Fällen wird darüber nachgedacht die Bürger, die Nachbarschaft zu informieren – eher seltener tastsächlich einzubinden. Dabei bietet der regelmäßige Austausch mit der Nachbarschaft neue Chancen und Möglichkeiten.

 

„Dabei kann man nur verlieren“

 

Wenn es tatsächlich zu einem Dialog mit den Nachbarn kommt, ist der Grundtenor schnell getroffen –  „dabei kann man nur verlieren“. Die Haltung die schnell eingenommen wird, ist grundsätzlich defensiv. Klar, wenn der gute Nachbar immer nur dann anklopft, wenn er wiedermal mehr von der eigenen Rasenfläche benötigt für seine Terrassenerweiterung, gerät er schnell in Erklärungsnot und in die Defensive oder er klopft erst gar nicht an und stellt die Adressaten vor vollendete Tatsachen.

Es geht aber auch anders – der gute Nachbar klopft an und möchte sich einfach nur nett unterhalten – Wetter, Aktuelles, zukünftige Reisen und Ziele. Die Haltung die eingenommen werden sollte, ist proaktiv und offen. Ehrlich, um einen Dialog bemüht, der die Adressaten, die eigenen Nachbarn einbindet und ernst nimmt. Ein Gesicht zeigen und die Hand reichen, bricht oft das Eis und räumt mit den bestehenden Vorurteilen auf und lichtet den Schleier der Anonymität.

 

 

Perspektivwechsel

 

Ein Dialog unter Nachbarn ist keine Einbahnstraße. Vielmehr stellt er eine Möglichkeit dar, die Anliegen und Probleme des anderen auf Augenhöhe anzuhören und zu verstehen – bevor der Vulkan ausbricht. Die Nachbarn wollen wissen, was vor ihrer Haustür geplant ist und die Möglichkeit haben, ihre Anliegen und Ideen zu äußern. Der Dialog auf Augenhöhe bietet die Chance, eine andere, neue Perspektive einzunehmen, Konfliktpunkte frühzeitig vorauszusehen und zu lösen, Gemeinsamkeiten zu erkennen. Sich in die Lage des anderen hineinzuversetzen, schärft den Blick für das Wesentliche. Gemeinsamkeiten und vor allem Potenziale, die sich aus einem regelmäßigen Dialog ergeben können, bilden die Grundlage für gemeinsame Projekte in der Nachbarschaft.

 

Ein Kanal mehrere Töpfe

 

Der offene Kontakt zu dem eigenen und unmittelbaren Umfeld zahlt gleich in mehrere Töpfe gleichzeitig ein – Ansehen, Akzeptanz und Vertrauen. Zum einen stärkt er die eigene Haltung. Um den Dialog anzukurbeln, benötigt es die Auseinandersetzung mit den eigenen, oft auch schwierigen Themen und die Bildung einer eigenen Position dazu. Haltung zeigen, auch wenn sich der Dialog als schwierig gestaltet, ist mühsam, fördert aber auch das  Ansehen und die Akzeptanz für die eigene Sache. Die Lösung kann dabei nicht immer der Konsens zwischen allen Beteiligten sein, dennoch schafft er eine Vertrauensbasis, die in neue Verfahren und Projekte hineingetragen werden kann. Sofern sich der Dialog offen und auf Augenhöhe abspielt.

 

Auf den Punkt gebracht: Der Dialog mit Bürgern und Nachbarn benötigt keinen konkreten Anlass oder ein akutes Ereignis. Ziel ist es zunächst, frühzeitig und offen das Gespräch anzubieten, sich die Anliegen auf Augenhöhe anzuhören und einen anderen Blickwinkel auf die eigenen Themen zu haben. Der fortwährende Dialog mit der Nachbarschaft kommt nicht aus der Mode, ist immer aktuell und lohnt sich. Dennoch ist der Dialog kein Allheilmittel für jeden Fall und schon gar kein Selbstläufer. Es bedarf der Offenheit, Kontinuität und guter Vorbereitung. Zeigen Sie Gesicht, verlieren Sie sich nicht in Anonymität und reichen Sie Ihren Nachbarn die Hand. – Auf eine gute Nachbarschaft.

 

Für die Entwicklung von Dialogformaten und Beteiligungsverfahren gibt es eine Vielzahl an möglichen Wegen. Wir unterstützen Sie gerne bei der Auswahl der passgenauen Instrumente, der Konzeption und Zeitplanung sowie der begleitenden Kommunikation für Dialog & Beteiligung.


ein Kommentar zu “Bürgerdialog – ja, nein, vielleicht. Ein Plädoyer für mehr Offenheit im Umgang mit Bürgern und den eigenen Nachbarn”


  • Katharina sagt:

    Einem Bürgerdialog kann nicht nur als eine Möglichkeit zur Information der Bürger/Nachbarn gesehen werden, sondern auch als eine Möglichkeit neu Blickwinkel zu erkennen. Ich glaube auch dass einbeziehen und informieren von Bürgern kann viel Unmut ersparen.

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