17.3.2022
Blog

Wenn die Sprache versagt: Grenzen der Kommunikation in Zeiten des Krieges

  • Öffentliche Kommunikation von Russland und der Ukraine ist Teil der Kriegsstrategien
  • Macht der Bilder wird im Krieg eindrücklich sichtbar
  • Diplomatische Gespräche als Rettungsanker
von
Kai vom Hoff
Lesedauer: 2 Minuten

In Zeiten wie diesen ist viel von der Macht der Worte die Rede. Wenn sich zwei im Krieg befindliche Konfliktparteien an die Öffentlichkeit wenden, wird genau hingehört, was gesagt, gemeint oder weggelassen wird – und wie das Ganze am Ende wirkt. Wie auf einer Goldwaage werden Worte präzise abgewogen und bewertet. Alles, was gesagt wird, ist absichtsvoll! Der Krieg wirkt wie ein Brennglas – fast alles liegt offen. Widersprüche in der Kommentierung der involvierten Parteien sind einkalkuliert. Vor allem dann, wenn Bilder eine eigene, oft unmissverständliche und schonungslose Sprache sprechen. Aber auch Bilder sind selektiv. Der Krieg in der Ukraine ist auch ein Krieg um Deutungshoheit.  

Bildsprache als Teil der Kriegsführung

Kriege produzieren hässliche Bilder. Unermessliches Leid, Ängste, Trauer und Schmerzen der Menschen lassen sich durch Nichts schönreden oder verargumentieren. Auch und schon gar nicht mit dem Hinweis auf historische Bezüge und territorialem Anspruchsdenken.

Die Bilder und die Zeugenaussagen dieser Katastrophe, die täglich unsere Wohnzimmer erreichen, verstärken den Eindruck, dass die Menschen diesen Angriffskrieg nahezu überall auf der Welt zutiefst verurteilen und sich entschieden dagegen wenden. Die Unterstützung für den russischen Präsidenten Wladimir Putin bröckelt.  Selbst im eigenen Land mehren sich die kritischen Stimmen, besonders unter den jungen Menschen, die die Vorzüge von Freiheit und Demokratie schätzen.

Genau das aber, macht die Situation heikel. „Eine Katze in der Not macht komische Sprünge“! Diesen Satz rief mir ein alter Freund zu, als wir über die aktuelle Lage debattierten. Mit seinen nunmehr knapp 90 Jahren hat er den zweiten Weltkrieg noch miterlebt. Derzeit ist Putin die besagte Katze in Not. Dadurch scheint er noch unberechenbarer zu sein. Was tun, wenn sein Plan nicht aufgeht? Wie könnte ein Exit-Szenario für ihn aussehen? Welche Lösung wäre akzeptabel?

Diplomatie als Silberstreif am Horizont

Die Hoffnung liegt weiterhin in der Diplomatie. Also: miteinander, statt übereinander zu sprechen! Dabei gilt es, Worte mit Bedacht zu wählen, verschiedene Handlungsoptionen zu diskutieren und die beste Lösung für beide Seiten auszuloten.

Die Frage wird sein, wie man an das russische „Nein“ zur Einstellung der Kampfhandlungen anschließt. Keine leichte Ausgangssituation. Ich versuche dennoch optimistisch zu bleiben. Denn: Reden schafft Verbindungen, Verbindungen schaffen Spielräume, Spielräume verschaffen vollkommen neue Perspektiven  
Ob dieser Weg erfolgreich sein kann, wird sich zeigen. Zumindest ist es ein Versuch. Angesichts der Ausweglosigkeit ist jedoch jeder Strohhalm willkommen!

verfasst von:
Kai vom Hoff
Geschäftsführender Gesellschafter
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k.vomhoff@vomhoff.de