17. März 2016

Vertrauen braucht Vertraulichkeit

Offenheit und Transparenz. So lauten die neuen Zauberworte in der Kommunikation – die einen fordern Transparenz, etwa wenn es um Planungsprozesse im öffentlichen Raum geht. Die anderen bemühen sich darum. Aber in der gelebten Praxis ist es anders als im Zaubermärchen: Zauberformeln bleiben ohne Wirkung, kein Wunder, Kommunikation ist schließlich auch kein Zauberwerk.

 

Dennoch wirkt die dauernde Forderung nach Transparenz auf mich bisweilen verstörend, weil es stets die „mangelnde Transparenz der anderen“ ist – nicht die eigene. Hinzu kommt: Es wird der Eindruck erweckt, dass alles und jedes im basisdemokratischen Plenum – also auf der Agora der Schwarmintelligenz – zu besprechen und zu lösen sei.

 

Ist das wirklich möglich? Ich meine: nein!

 

Denn gerade bei schwierigen Problemstellungen dient ein öffentlicher Schlagabtausch, wie wir ihn aus unserem Parlamenten, aber auch aus Vereins- und Parteiveranstaltungen kennen, allenfalls zum Austausch verfestigter Standpunkte, nicht aber zur Annäherung von Meinungen, Haltungen und Befindlichkeiten – geschweige denn zum Äußern von Eingeständnissen, Kompromissen oder gar Lösungen.

 

Um aber zu Lösungen kommen zu können, muss es möglich sein, auch Vertrauen zu schaffen. Und dazu ist eine geschützte Zone notwendig, eine Atmosphäre, die Vertraulichkeit zulässt. Hier macht es Sinn, Türen zu schließen und sich Verschwiegenheitsregeln aufzuerlegen.

 

Im deutschen politischen Journalismus gibt es derartige Regeln, sie haben sich bewährt. Auf politischer Ebene gilt seit 1927 die Chatham House Rule. Die Regel dient auf der einen Seite der Anonymität von Gesprächspartnern, wenn vertrauliche Inhalte besprochen werden. Andererseits macht sie eine wirklich freie Diskussion erst möglich.

 

Die Regel ist in den letzten Jahren in Vergessenheit geraten. Es wäre an der Zeit, sich ihrer zu erinnern, statt an Zauberformeln zu glauben.

 

Dieser Beitrag ist Teil 1 unserer Serie „Vertrauen und Akzeptanz“, in der wir in loser Folge diskutieren, wie Unternehmen durch Kommunikation Vertrauen gewinnen können.


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