15. März 2012

Schöne neue Arbeitswelt? Ein Pro & Kontra zu flexiblen Arbeitsmodellen

Anfang Februar wurde bekannt, dass der US-Konzern IBM in den nächsten Jahren in Deutschland ein neues Beschäftigungsmodell etablieren will. „Liquid“ – zu Deutsch: flüssig – heißt das Programm, mit dem das Unternehmen Medienberichten zufolge feste Arbeitsplätze aufgeben und die Arbeit flexibler einteilen will. Davon wären tausende Stellen betroffen. Die vormals bei IBM beschäftigten Fachkräfte sollen sich künftig über das Internet auf bestimmte Projekte bewerben.

 

Greift IBM mit diesen Strukturen zukünftigen Entwicklungen vor oder bedeuten derartige Arbeitsmodelle den Abschied von der traditionellen Unternehmenskultur?
Ein Pro & Kontra.

 

Pro (Kai vom Hoff)

Die Entscheidungen eines Unternehmens wie IBM sind geprägt vom Wettbewerb, in dem es sich bewegt. Dieser ist längst global und verlangt größte Flexibilität. Vor diesem Hintergrund ist es aus meiner Sicht nur konsequent, wenn Arbeitsplätze variabel angelegt werden und sich an anfallenden Projekten orientieren. IBM selbst wirbt damit, Transformationen zu einem integralen Teil des Geschäftsmodells zu machen, um sich stets innovativ auszurichten. Bereitschaft zur Veränderung erwartet das Unternehmen demnach auch von seinen Mitarbeitern.

 

Verschiedene Befragungen haben gezeigt, dass dies ganz im Sinne der derzeit in die Unternehmen eintretenden Generation von Nachwuchskräften ist. Diese hat ein grundlegend anderes Verständnis von Arbeit als ihre älteren Kollegen. Die nachfolgende Generation fordert von der Arbeit vor allen Dingen Spaß und Selbstverwirklichung. Wenn die Rahmenbedingungen stimmen, ist sie aber auch ausgesprochen leistungsbereit. Zudem bilden sich viele junge Arbeitskräfte kontinuierlich weiter; auch weil sie wissen, dass sie nicht ihr gesamtes Leben einem Arbeitgeber treu sein werden.

 

Ein Unternehmen, das auf flexible Arbeit setzt, steht vor der schwierigen Aufgabe, gleichzeitig erfahrene Arbeitnehmer und Neueinsteiger bei der Stange zu halten. Das ist eine sensible Aufgabe, die Fingerspitzengefühl erfordert. Interne Kommunikation dient dann umso mehr dazu, den Mitarbeitern die globalen Marktbedingungen und die daraus resultierenden Veränderungen verständlich zu machen.

 

Kontra (Iris Schmellenkamp)

 

Flexible Arbeitsmodelle – das klingt für mich nach verkappter Sparmaßnahme. Das Personal ist schließlich der größte Kostenfaktor eines Unternehmens. Was liegt da näher, als die vermeintlich teuren Angestellten in eine Servicegesellschaft auszugliedern oder gleich als Freelancer zu geringen Honoraren wieder einzustellen? Als langjährige freie Mitarbeiterin bei unterschiedlichen Medien weiß ich, wovon ich spreche.

 

Nicht selten haben sich Unternehmen aber mit dem Outsourcing verspekuliert; sie stellten plötzlich fest, dass ausgelagerte Arbeitskräfte nicht die gewünschte Leistung brachten. Und auch unternehmensintern hat die Auslagerung oftmals negative Auswirkungen. Das Unternehmen riskiert die Loyalität und Motivation seines gesamten Personals, wenn es an festen Beschäftigungsverhältnissen rüttelt und damit Unsicherheit schürt. Von einer gesunden Unternehmenskultur kann dann keine Rede mehr sein. Notwendigerweise ist damit auch die Produktivität in Mitleidenschaft gezogen.

 

Nicht ohne Grund ist eine Kernfunktion der Internen Kommunikation „alter Schule“, den Dialog von Unternehmensleitung und Arbeitnehmern zu gewährleisten. Mitarbeiter, die sich wertgeschätzt fühlen, sind auch bereit, sich für ihre Firma zu engagieren und sie voranzubringen. Auch auf diese Weise kann ein Unternehmen innovativ sein.


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vom Hoff Kommunikation Düsseldorf – Strategische Kommunikationsberatung für namhafte Unternehmen und Institutionen.