7. Mai 2018

Reisebericht von der re:publica: Netz-Community fordert Verantwortung

Mein erstes Mal auf der re:publica: Europas wichtigster Digitalkonferenz. Als einer von rund 10.000 Teilnehmern hatte ich das Vergnügen, drei Tage Teil einer Netzgemeinde zu sein, die sich im offenen Diskurs mit der digitalen Zukunft unserer Gesellschaft befasste.

 

Mein Fazit vorweg: Ich war sehr angenehm überrascht! Anstatt auf eine technikverliebte Nerd-Community zu treffen, begegnete ich reflektierenden, sehr offenen und diskussionswilligen Menschen, die eines eint: ihr Interesse und ihr Einsatz für eine bessere und offenere digitale Gesellschaft!

 

Eins der großen Themen in diesem Jahr: “Power to the people” – alle Macht dem Volk. Die Masse muss ihre Macht verstehen, um sie auch ausüben zu können. Schön wär’s. Derzeit fehlt es vor allem an der geeigneten Infrastruktur, wenn es um schnelle Internetanschlüsse per Glasfaserkabel geht. Deutschland belegt weltweit Platz 25.  Außerdem fehlt es an breiter Aufklärung über die Möglichkeiten der demokratischen Teilhabe im Netz. Für mich als Erstbesucher erfreulich: die  re:publica  ist keine Randgruppenveranstaltung für Nerds und Techis; sie  thematisiert vielmehr handfeste große gesellschaftliche Probleme und Herausforderungen, die nach digitalen Antworten im Hier und Jetzt verlangen.

 

„Wenn 30 Millionen Deutsche auf Facebook sind, müssen wir uns dem Mainstream widmen“, kommentierte re:publica-Mitgründerin Tanja Haeusler. So entschieden sich die Macher wohl auch für den Begriff Pop (von populär abgeleitet) der omnipräsent überall auf der re:publica zu sehen war; Pop ist das, was die Massen erreicht. Die re:publica befreit sich mit diesem Schritt aus ihrer eigenen Filterblase und lässt sie mit einem lauten „Pop“ platzen.

 

Über was wurde gesprochen? Beispielsweise über die Zukunft der Arbeit. Wird in Zukunft eine Maschine meinen Job machen? Werden in Folge der Digitalisierung mehr Jobs vernichtet als das neue entstehen, wie es Richard David Precht vorhersagt? Welche Auswirkung wird künstliche Intelligenz haben? Was macht Facebook künftig mit meinen Daten? Wer muss sich wem anpassen- die Menschen an die Algorithmen oder umgekehrt? Und natürlich die Gefahr, Menschen auf sozialen Netzwerken zu verunsichern und somit einen fruchtbaren Nährboden für einfache und zumeist falsche Antworten zu erzeugen.

 

Überall schwang der Drang nach gesellschaftlicher Deutungshoheit mit. Hetzer und Diskriminierer auf digitalen Plattformen verlangen nach einer Neudefinition des Freiheitsbegriffs. Freiheit ja, aber nicht um jeden Preis. Mit der Freiheit muss man auch richtig umgehen. Das braucht Verantwortung. So war es dann nicht erstaunlich, dass der Verantwortungsbegriff zu einem zentralen Aspekt dieser Veranstaltung wurde. Und er tauchte in nahezu jeder Diskussion, in jedem Panel erneut auf. Ob es um die Frage des Umgangs mit persönlichen Daten ging oder um die grundsätzliche Frage, ob wir künftig einzelnen Marktteilnehmern monopolartige Strukturen überlassen wollen und das Gemeingut der digitalen Meinungsfreiheit dem Diktat einer gewinnmaximierenden Zielsetzung einzelner Wirtschaftsakteure überlassen.

 

Ohnehin ging es aus meiner Sicht nicht so sehr – wie ich vermutet hatte – um technische Details, um Algorithmen und neue digitale Modelle. Vielmehr wurde Grundsätzliches debattiert und diskutiert, unter anderem die Frage, wie wir unsere Freiheit weiterhin sichern wollen. Hier gelangte die Netzgemeinde  zu der Erkenntnis, dass es Kontrolle und Instanzen braucht, um eben genau diese gewonnene Freiheit weiterhin aufrecht zu erhalten.

 

Dabei wurde nicht ernsthaft erwogen, ob es eine Option ist Facebook zu zerschlagen sondern vielmehr, wie wir den Begriff der Demokratisierung stärker in unser digitales Handeln und in unserer Wertevorstellung verankern können. Ein Aspekt der an mehreren Orten immer wieder aufkam, ist der Einsatz der Blockchain-Technologie, mit der sich über dezentrale Systeme autarke Strukturen aufbauen, die sich selbst tragen und die nicht ohne weiteres gehackt werden können.  Diese Vorstellung einer demokratischen Kultur -oder Plattform – die wir als User selbst beeinflussen, könnte eine probate Möglichkeit sein der Übermacht und Monopolstellung Einzelner etwas wirkungsvolles entgegenzusetzen.

 

Das allerdings braucht Commitment der Netzgemeinde und es braucht das Vertrauen in diese technischen Möglichkeiten, um sie sich besser zunutze zu machen.

 

Alles in allem bin ich der Auffassung, dass die Diskussion einer mündigen und aufgeklärten digitalen Gesellschaft um mehr Verantwortung im Netz hilfreich und fruchtbar ist. Der Besuch war für mich ein großartiger Gewinn, der vieles angestoßen und bewegt hat und von dem ich profitieren konnte. Vielen Dank dafür, re:publica, und weiterhin gutes Gelingen.


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