7. April 2020

Kommunikation ist systemrelevant

In Krisenzeiten schnallen viele Unternehmen den Gürtel enger. Es werden fieberhaft Einsparpotentiale gesucht: Reflexartig trifft es allzu häufig die Kommunikation: vieles wird verschoben oder ganz auf Eis gelegt. Denn Kommunikation, so heißt es, sei in erster Linie ein Kostenfaktor, den man sich leisten können muss.

 

Dass man sie sich leisten muss, führt uns die deutsche Politik in diesen Tagen vor: Die Bundesregierung und deren nachgeordnete Behörden informieren stetig über ihren aktuellen Wissensstand. Es wird Entschlossenheit und Durchsetzungswillen signalisiert und gleichzeitig zur Besonnenheit aufgerufen. Das alles wirkt glaubhaft, weil es authentisch ist. Lebendig eben. Und das in einer Situation, die allemal schwierig ist: Vieles ist ungewiss. Es gilt, viele Interessen zu berücksichtigen, und Entscheidungen müssen der aktuellen Informationslage entsprechend getroffen und immer wieder angepasst werden.

 

Ein Blick ins Ausland zeigt: Deutschland erntet Anerkennung für seinen Umgang mit der Corona-Krise. Natürlich spielen hier das gut ausgebaute Gesundheitssystem eine große Rolle, aber eben auch die Kommunikation. Der Umgang mit dieser Ausnahmesituation ist so etwas ein Lehrstück für Kommunikation, die in der Lage ist, erfolgreich um Vertrauen zu werben. Und das gelingt: Die Appelle an die Zivilgesellschaft stoßen auf Verständnis, Regeln werden befolgt – sogar die zeitweise Einschränkung unserer Bürgerrechte trifft auf Zustimmung. Und mit der Akzeptanz steigt auch das Vertrauen, dass die Bundesregierung auch weiterhin in der Lage ist, die richtigen (wenn auch nicht immer populären) Entscheidungen zu treffen. Die Vermittlung dieser Grundhaltung ist Aufgabe verantwortungsvoller Kommunikation. Im Übrigen nicht nur in der Politik, sondern auch in der Wirtschaft.  

 

Das Beispiel aus der Politik zeigt: Ein allzu rigides Kostendiktat auf Kosten der Kommunikation ist gefährlich. Die Erfahrung zeigt nämlich auch: Kommunikation lässt sich nun mal nicht beliebig rauf- und runterfahren – bei allem Verständnis, dass sich gerade in schwierigen Situationen die Ressourcen verschieben. Denn schließlich sorgt Kommunikation für Sichtbarkeit und schafft Glaubwürdigkeit, Vertrauen und Reputation, intern wie extern. Hierauf zu verzichten, wäre kurzsichtig und fahrlässig, denn Unternehmen agieren nicht im luftleeren Raum, sondern in der Mitte der Gesellschaft – und deren Akzeptanz brauchen sie nun mal.

 

Mit anderen Worten: Kommunikation ist „systemrelevant“ für das Funktionieren eines Unternehmens und für dessen Handlungsfähigkeit. Durch sie wird der Kontakt zu allen internen und externen Stakeholdern gehalten, Führung sichergestellt, Aufklärung betrieben und Orientierung geschaffen. Damit ist Kommunikation eben kein bloßer Kostenfaktor, sondern eine Investition, die messbaren Mehrwert schafft: Vertrauenskapital. Durch Vertrauenskapital vergrößern sich die Spielräume für das unternehmerische Handeln, etwa bei Investitionsprojekten. Nicht nur Energieerzeuger, Baustoffhersteller und die Grundstoffindustrie können ein Lied davon singen, auch Windparkbetreiber und Koordinatoren von Großprojekten. Das zeigt: Ohne Vertrauenskapital, das durch kontinuierliche Kommunikation erworben wurde, gibt es nicht ausreichend Investitionen in Innovationen, Standorte oder neue Anlagen. Schließlich basiert unser Wirtschaftssystem auf der Überzeugung von Wertschöpfung zum Nutzen aller. Diese Überzeugung muss kommuniziert werden.


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