12. November 2010

Evangelische Kirche zeigt sich weltlich: Energie jetzt auch ein Thema

Der gerade neu gewählte Rats-Vorsitzende der EKD, Präses Nikolaus Schneider, hatte sich kürzlich in einem Interview mit der Rheinischen Post zu den Themen geäußert, die für die Evangelische Kirche in Deutschland wichtig seien.

Demnach wolle sich Präses Schneider zunehmend auch weltlichen Dingen widmen. Wie im Interview nachzulesen ist, wolle die Kirche das Gespräch mit Gott und die Alltagsprobleme der Menschen miteinander verbinden. Dazu gehöre neben der Bildung und Integration auch das Thema Energiepolitik.

Er wäre sogar selbst nach Gorleben gefahren, wenn er es zeitlich geschafft hätte. Zwar nicht als Demonstrant, aber als Pastor, der diese Form des Protestes unterstütze.

Ein Aspekt, den auch Grünen-Chefin Claudia Roth bei Maybritt Illner im Disput mit Eon-Vizechef Ralf Güldner zu Nutzen wusste: Dort nämlich zitierte sie Schneider mit dem Hinweis, dass nun auch die Kirche gegen Atomkraft sei und das Thema Energie als so wichtig erachte.

Sie nutzte damit die Einlassung von Präses Schneider in einer Positionierungsdebatte gegen Atomkraft. Ein zulässiger Vorgang? Herr Güldner jedenfalls platzte darauf hin los: „Das geht den doch gar nix an!“. Hat er damit recht?

Wie dem auch sei – es erstaunt schon, dass sich die Kirche nunmehr in die Energiedebatte eingreift. Sind der Kirche ihre eigenen Themen ausgegangen? Passt eigentlich eine Debatte über die zukünftige Energieversorgung in den kirchlichen Kontext?

Für die Befürworter von Atomkraft und konventionellen Kohlekraftwerken wird die öffentliche Diskussion dadurch sicherlich nicht leichter. Im Gegenteil, wenn sich nunmehr die Kirche auch dieses Themas annimmt, wann können wir erwarten, dass sich der Ärztebund oder die Hochschulrektorenkonferenz ebenfalls in diese Debatte einschaltet. Einer sachlichen und fundierten Auseinandersetzung mit konkreten Inhalten hilft dies jedenfalls nicht.

Für die Kommunikation von Unternehmen – insbesondere von denen, die mit kritischen Themen umgehen – hat dies in zweierlei Hinsicht Relevanz: Themen, die bislang auf Fachebene erörtert wurden, werden zunehmend über neue, kritische gesellschaftliche Einflussgruppen diskutiert.

Dies ist auch gutes Recht einer demokratischen Zivilgesellschaft. Zum anderen wird es immer schwerer, mit Zahlen, Fakten und Sachargumenten den emotionalen Bildern, die als Nährboden für eine Angstdebatte dienen, entgegenzutreten.

Unternehmen sollten sich, so mein Rat, Gedanken darüber machen, wie sie ihre Sachargumentation emotional hinterlegen können. Emotionen sollten grundsätzlich mehr in den Fokus rücken. Schließlich geht es um die Organisation von Wahrnehmung für ihre eigenen Anliegen. Keine leichte Aufgabe, die auch Mut erfordert, dennoch eine lösbare.

Ach ja, halten Sie es für richtig, dass sich die Evangelische Kirche nunmehr auch zur energiepolitischen Themen äußert?


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

vom Hoff Kommunikation Düsseldorf – Strategische Kommunikationsberatung für namhafte Unternehmen und Institutionen.