2. Mai 2016

Eklat bei der Deutschen Bank: Wie fehlende Führung Reputation beschädigt

Vertrauen ist die Voraussetzung für alles. Ohne Vertrauen keine Beziehung. Ohne Beziehung kein Geschäft. Geschäfte werden gemacht mit denjenigen, die einen guten Ruf haben. Weil sie Vertrauen bereits bewiesen haben.

 

Reputation bezeichnet den Ruf (veraltet: den Leumund) eines Menschen oder einer Organisation. Eine hohe Reputation wird gleichgesetzt mit einem hohen Ansehen.

 

Reputation macht kalkulierbar. Weil ich weiß, wie sich jemand zukünftig verhalten wird. Diese Berechenbarkeit wird zum wirtschaftlichen Gut. Und genau diese Berechenbarkeit verspielt aktuell die Deutsche Bank.

 

Pleiten, Pech und Pannen und das über Jahre hinweg. Kein Fettnäpfchen wurde ausgespart. Doch dann sollte alles anders werden. Um Ruhe in den Laden zu bringen, wurde eigens eine neue Position geschaffen: die des Leiters des Integritätsausschusses. Und nun? Chefaufklärer Georg Thoma wird „wegen Ermittlungseifer“ aus dem Aufsichtsrat gedrängt. Von seinen eigenen Kollegen. Der Vorwurf: Thoma lege mit seinen Ermittlungen die Bank lahm. Das Handelsblatt bezeichnet diesen Vorgang als unwürdigen Abgang.

 

Pikant dabei, Aufsichtsratsvorsitzender Paul Achleitner selbst holte seinen Freund in die Position des Aufräumers.

 

Das ganze Schauspiel gleicht dem einer öffentlichen Demontage: Indiskretionen, Schuldzuweisungen, fehlende Führung und Verärgerung der Aktionäre – im Vorfeld der anstehenden Hauptversammlung. Kein Ruhmesblatt also.

 

Nun steht Oberaufseher Achleitner selbst unter Beschuss. Er sei nicht in der Lage, die „nötige Disziplin in die Mannschaft zu bringen“, so ein Insider.

 

Klar ist, die öffentliche Debatte wirft kein gutes Licht auf die Deutsche Bank. Corporate Governance Experte Carl-Friedrich Freidank im Handelsblatt dazu: „Die Auswirkungen auf die Reputation der Deutschen Bank sind desaströs.“

 

Ungeachtet der Frage, ob es richtig ist, einen Freund in eine derart exponierte Stellung zu holen, wird es eng für Achleitner. Eine erneute Führungsproblematik kann sich die Bank nicht mehr erlauben.

 

Wenn Reputation tatsächlich zum immateriellen Vermögen zählt, dann müsste die Deutsche Bank konsequenterweise in ihrer Bilanz deutliche Abschreibungen vornehmen.

 

 

 

 


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

vom Hoff Kommunikation Düsseldorf – Strategische Kommunikationsberatung für namhafte Unternehmen und Institutionen.