30. November 2018

Bad news, late news: Warum sich die Unternehmensführung oft schwer tut, frühzeitig mit der Wahrheit rauszurücken!

Über Nacht platzt die Bombe: ein Industriebetrieb kündigt Stellenabbau an. Und das in großem Maße. Und auch noch kurz vor Weihnachten. Die Belegschaft ist entsetzt, die Medien alarmiert, die Politik fordert und die Gewerkschaften kündigen Widerstand an. Kopfschütteln und Empörung allerorten. Gab es denn keine andere Lösung? Gier frisst Hirn und nun auch noch Herz. Nun mag man streiten, ob der Zeitpunkt so kurz vor dem christlichen Fest, das von Friede und Hoffnung kündet, geschickt gewählt ist. Ganz sicher nicht möchte ich meinen. Jedoch trifft dies nicht allein den Kern des Problems. Vielmehr ist zu beklagen, dass Nachrichten dieses Ausmaßes häufig für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter völlig überraschend und unvorbereitet kommen. Über den Ernst der Lage wurde – so die generelle Auffassung – im Vorfeld nicht hinreichend informiert. Gewiss, hier und da gab’s Hinweise auf dunkle Wolken am Himmel, eine abschwächende Konjunktur, Währungsschwankungen, Handelshindernisse, Preiswettbewerb und rückläufige Nachfragen im Markt – darüber wurde berichtet. Nun ja, mehr oder weniger, quasi zwischen den Zeilen, in einem Kommentar, auf einem der zahlreichen Townhall Meetings, im Führungskräfte-Treffen. Aber nie so richtig. Mehr en passant. Es fehlt im Vorfeld an Deutlichkeit und Konsequenz mit der unangenehme Botschaften sowie Notwendigkeiten für diese Schritte bewusst und plausibel kommuniziert wurden. Und das nicht nur einmal, sondern mehrfach. Nicht allein auf Papier, als Videobotschaft, im Social Intranet, sondern im persönlichen Dialog mit den Menschen.

 

Auch wenn die Nachricht schockt, die Ängste groß sind und jeder um seine Zukunft bangt, so ist es doch ein Zeichen von Ehrlichkeit und Glaubwürdigkeit die Dinge frühzeitig beim Namen zu nennen und den Mut zu haben, dies auch im Diskurs mit den Menschen im Unternehmen zu vertreten. Natürlich wird es keinen Applaus geben, wenn sich der Chef hinstellt und verkündet, dass die Lage ernst ist und es zu Stellenabbau kommen wird um die Zukunft des Unternehmens und damit die der verbleibenden Arbeitsplätze zu sichern. Unbequeme Wahrheiten auszusprechen schafft bei den Betroffenen keine Zustimmung, aber sicherlich eine gewisse Form von Respekt und Anerkennung. Überhaupt ist das so eine Sache mit der Wahrheit. Mit ihr ist es wie mit Wasser, sie sucht sich ihren Weg. Im Zweifel über den Flurfunk oder über gezielte Indiskretionen.  Spekulationen und Gerüchte füllen ohnehin das Informations-Vakuum, wenn das Gefühl wächst, da ist etwas im Busch. Trauen Sie den Menschen mehr Wahrheit zu, liebe CEOs! Sie werden es vertragen. Im Übrigen belegen dies auch Studien, die den Nachweis erbringen, dass Betroffene mit  ausgesprochenen, unangenehmen Wahrheiten besser zurechtkommen und schneller neue Orientierung finden, als solche, die über einen längeren Zeitraum im Ungewissen leben.

 

Bei all diesen Überlegungen sollten aber auch die Gründe für eine zurückhaltende Unternehmenspolitik der Führungsspitze berücksichtigt werden. Möglicherweise werden Alternativen noch geprüft die Kosten woanders zu reduzieren, oder es finden hinter verschlossenen Türen Verhandlungen mit der Arbeitnehmerseite statt, die noch nicht spruchreif sind. Zudem sollen ja auch der Markt und damit die Kunden nicht verunsichert werden. Und die Interessen des Kapitalmarktes haben höchste Priorität. Ja, das ist alles richtig! Und auch verständlich!

 

Aber geht es denn nicht im Besonderen um die Glaubwürdigkeit des Unternehmens gegenüber den dort beschäftigten Menschen? Sind Glaubwürdigkeit und Vertrauen nicht die Grundpfeiler um Menschen für ein Ziel zu gewinnen, zu motivieren und sogar zu begeistern? Und damit eine gesunde Basis für den Erfolg von Organisationen zu legen? Ist es nicht die ureigene Aufgabe von Unternehmenskommunikation, diesen Prozess zu entwickeln und zu gestalten? Wenn dies der Fall ist, dann hat Kommunikation auch dafür Sorge zu tragen, Wege zu entwickeln, kritische Themen frühzeitig und gezielt anzusprechen, zu informieren und Dialoge anzubieten. Sonst fallen wir zurück in das Zeitalter der Verlautbarung. Das wäre fatal.

 

„Niemand beabsichtigt Stellen zu streichen!“, klingt wie „Niemand beabsichtigt eine Mauer zu bauen!“.

Schluss also mit dem taktischen lavieren. Tacheles reden bekommt keinen Preis für rhetorische Ausweichmanöver sondern für Haltung und Glaubwürdigkeit. Und daran bemisst sich die Qualität von Führung in Unternehmen.


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