15.7.2020
Blog

Von Gewohnheitstieren und Veränderungskünstlern

  • Transparenz im Change-Prozess notwendig
  • Mitarbeiter können Veränderungen leichter bewältigen als gedacht
  • Arbeitnehmer sind resilienter als viele Manager behaupten
von
Norman Edelmann
Lesedauer: 3 Minuten

Der Mensch, das Gewohnheitstier. Schon früh wurde unser Hang zum Festhalten an Ritualen, Altbewährtem und Vertrautem in ein Sprichwort gegossen. Aber stimmt das überhaupt? Nein: In diesen Tagen zeigt sich, dass wir Menschen zu mehr Veränderung fähig sind als es der Volksmund behauptet. Die derzeitige Krise zeigt unsere Resilienz, unsere Flexibilität, mit der wir auch plötzlich aufkommende Veränderungen bewältigen und uns an wechselnde Gegebenheiten anpassen.

In vielen unternehmerischen Change-Projekten wurde diese Fähigkeit der eigenen Belegschaft über Jahre hinweg abgesprochen. Nun zeigt sich: Der Mitarbeiter kann Veränderungen akzeptieren. Auch Unsicherheit. Was er jedoch nicht akzeptiert, ist, vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden.

Ein Mangel an Transparenz

Jedwede Veränderung stellt uns vor neue Herausforderungen. Gerade in der Unternehmenswelt wird sie daher oft kritisch betrachtet. Dies liegt einerseits daran, dass wir mit dem Begriff der Veränderung oftmals negative Auswirkungen auf die eigene Arbeit oder das Arbeitsumfeld assoziieren. Anderseits liegt das Problem jedoch auch darin, dass eine Veränderung seitens des Managements oft zu spät kommuniziert wird.

Dieser Mangel an Transparenz resultiert aus zwei voreiligen Annahmen. Die eine ist, dass der Wandel direkt in Gänze kommuniziert werden muss. Die andere, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter durch den Change abgeschreckt werden.

 

Ein Blick auf das hier und heute

 

Im Jahr 2020 sehen wir aber, dass diese Annahmen keinesfalls zutreffen müssen. In diesen unsicheren Zeiten, in denen die Information von gestern nicht mehr der Information von heute entspricht, zeigt der Mensch/der Arbeitnehmer seine Resilienz und seine Fähigkeit, Veränderung zu akzeptieren. Er ist bereit für regelmäßige Informationen und begrüßt sie. Selbst dann, wenn diese nur einen Weg, einen Zwischenstand oder ein Ziel beschreiben.

Es ist ein Trugschluss anzunehmen – und dies gilt auch für die Veränderungskommunikation –, dass allein das Ergebnis zu kommunizieren sei. Der Mensch möchte mitgenommen werden, er möchte die Gründe der Veränderung verstehen, ihren Fortlauf nachvollziehen können und seine Rolle im Unternehmen erläutert bekommen. Die Quintessenz dessen ist Transparenz, der Wunsch nach vollständiger und frühzeitiger Offenlegung von Beweggründen, von Potenzialen, Wegen und Zielen.

 

Der, der den Blick nach vorne richtet, kommuniziert und mutig voranschreitet, holt seine Mitarbeiter ab

 

Jedwedem Arbeitnehmer ist klar, dass durch die volatilen Märkte stetige Anpassungen am Produktportfolio, an internen Arbeitsweisen und Strukturen oder an eigenen Technologien notwendig sind. Nur, wer den Blick nach vorne richtet, Trends adaptiert und Innovationen vorantreibt, kann sich am Markt behaupten.

Das sichert Arbeitsplätze. Anzunehmen, dass diese Veränderungen seitens der Arbeitnehmerschaft nicht mitgetragen werden, ist daher – mit Verlaub – kurzsichtig und naiv. Dies mag wahrlich nicht auf jede Veränderung zutreffen: Die Schließung eines Werks oder eine groß angelegte Entlassungswelle gehören nicht zu den genannten Szenarien.

 

Geht es jedoch darum, neue Geschäftsfelder zu erarbeiten, interne Strukturen anzupassen oder Entwicklungs- und Investitionspotenziale zu identifizieren, so ist die Angst des Managements vor der Kommunikation des Vorhabens unbegründet. Wenn ein Unternehmen den Blick nach vorne richtet und den Mut aufbringt Veränderungen einzuleiten, so muss es auch dafür Sorge tragen, dass die Mitarbeiter dies können.

Die Augen davor zu verschließen heißt, sich dem Wandel zu verschließen. Denn nur, wer kommuniziert, steht zu dem, was getan werden muss, was getan wird, und schreitet mutig und mit gutem Beispiel voran. Das nennt man Führung.

Autor
Norman Edelmann
Senior Berater
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n.edelmann@vomhoff.de