5. April 2012

Wohin steuert die Neinsager-Republik?

Wohin steuert die Neinsager-Republik?

Jetzt haben wir es auch noch schriftlich: Nach einer jüngsten Umfrage des Forschungsinstitutes Allensbach ist der bundesdeutsche Bürger zwar für den zügigen Ausbau der regenerativen Energien. Wenn es aber um die notwendige Infrastruktur, wie etwa Stromtrassen quer durch das Land, geht, setzt er dem ein entschiedenes Nein entgegen.

 

Nur 37% hält einen Ausbau der Stromnetze für die Erneuerbaren Energien für wichtig, 51% der Bürger lehnen den Bau von Hoch- und Höchstspannungsleitungen vor der eigenen Tür ab. Was ist seitens Politik, Unternehmen und Medien zu tun, um die Gunst des Bürgers als Wähler, Konsument und Informationssuchender zu gewinnen?

 

Der Wunschzettel der Bürger ist einfach und deutlich: Erneuerbar soll die Energie sein, aber gleichzeitig keine Mehrkosten verursachen und möglichst unsichtbar sein. Die Windräder sollen sich möglichst weit draußen vor der Küste drehen. Die Stromleitungen sollen tief in der Erde vergraben werden und Solaranlagen in möglichst großem Ausmaß gefördert werden.

 

Ökonomische, rechtliche und politische Zwänge werden dabei völlig außer Acht gelassen oder als Unwillen deklariert. Die Diskussion ähnelt einem Slogan der 80er Jahre: Der Strom kommt aus der Steckdose. Wie können Bürgerinnen und Bürger dazu gebracht werden, die von ihnen gewünschten Ziele auch hinsichtlich ihrer Konsequenzen zu akzeptieren?

 

Kommunikation ist in diesem Prozess ein unverzichtbarer Bestandteil. Sie dient der Überwindung der weit verbreiteten Skepsis gegenüber tiefgreifenden Veränderungen, wie sie beispielsweise in puncto Infrastruktur anstehen.

 

Das gilt auch außerhalb des Energiebereichs, man denke an Bahnhöfe oder Umgehungsstraßen. Kommunikation ermöglicht dem Bürger die Mitsprache bei der Planung von Projekten. Außerdem hilft sie bei der Einbeziehung von Anregungen und Ideen aus dem Kreis von Anwohnern und Interessierten. Das erfordert auch von den planenden Stellen – seien es Unternehmen oder Behörden – eine gewisse Offenheit.

 

Vor allem aber erfordert dieser Kommunikationsprozess eines: die Bereitschaft für Veränderungen seitens aller Betroffenen. Denn nur durch Fortschritt, durch Innovation und die Umsetzung entsprechender Projekte können wir langfristig Wachstum und Wohlstand sichern.

 

Kommunikation ist aber kein Allheilmittel: Kommt es vor der Kulisse eines Dialogs zu fruchtlosen Diskussionen um Detailaspekte oder Partikularinteressen, gefährden wir unsere wirtschaftliche Zukunft.

 

Zwei Dinge sind daher vonnöten: Es muss auf Unternehmensseite Klarheit darüber herrschen, wie weit man den Bürgern und ihren Wünschen entgegenkommen will und wie man mit Widerständen umgeht. Mindestens genauso wichtig ist es, den Bürgern eines klar zu machen: Gesellschaftliche und wirtschaftliche Großprojekte – wie die Energiewende – bringen zwangsläufig Veränderungen mit sich.

 

Erst vor diesem Hintergrund kann Kommunikation das Neinsager-Paradoxon aufsprengen. Was denken Sie: wie kann dieses Bewusstsein beim Bürger geschaffen werden?


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

vom Hoff Kommunikation Düsseldorf – Strategische Kommunikationsberatung für namhafte Unternehmen und Institutionen.