16. September 2010

Wo sind die Grautöne?

Gut oder böse? Held oder Trottel? Top oder Flop?

Die Medien spielen – das ist wohl unbestritten – eine Hauptrolle bei der Bildung der öffentlichen Meinung. Sie sitzen am entscheidenden Hebel. Journalisten selektieren Themen und berichten: So werden Ereignisse zu Skandalen, Entscheidungen zu Fehlentscheidungen und Tendenzen zu Trends.

 

In letzter Zeit gleicht der öffentliche Umgang mit Themen, Personen oder Ereignissen einer Schwarz-Weiß-Malerei. So wissen wir alle, dass Bio in und Rauchen in der Öffentlichkeit out ist, dass die katholische Kirche indiskutabel ist – ebenso wie Guido Westerwelle – und dass Margot Käßmann eine Heldin und Thilo Sarrazin ein Wiederholungstäter ist. Einmal etikettiert, ist es fast unmöglich sich aus der Schublade zu befreien.

 

Bedeutet das also im Umkehrschluss, dass Handlungen, Meinungen oder Personen nur noch gut oder schlecht bzw. richtig oder falsch sein können? Geht die Macht der Medien soweit, dass Grautöne zusehends in der öffentlichen Wahrnehmung verschwinden? Und welche Schlüsse ziehen wir als Kommunikationsberater?

 

Kommunikation lebt natürlich vom Einfluss der Medien auf die Öffentlichkeit.
Kommunikation ist aber mehr als plumpe Meinungsmache und Polemik. Kontinuität, Authentizität und Erfahrung stehen hinter einer erfolgreichen Kommunikationsstrategie.

 

Eine Öffentlichkeit, die das Empfinden für Schattierungen und die Fähigkeit zu differenzieren verliert, ist nicht nur moralisch fragwürdig, sondern entzieht einer anspruchsvollen Kommunikation auch die Grundlage.

 

Verlieren wir uns also nicht in einer ständigen Kategorisierung. Versuchen wir unabhängig von der medialen Abstempelung selbst zu urteilen. Vielleicht sind Grautöne dann bald wieder in.


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