10. Dezember 2010

Wikileaks, Maulwürfe & Co. – neue Bedrohungen für Unternehmen?

Die Veröffentlichung geheimer US-Depeschen durch Wikileaks sorgt für weltweiten Diskussionsstoff. Verschiedenste Debatten wurden ausgelöst: Es geht um Staatsgeheimnisse, Pressefreiheit, Öffentlichkeit, Verrat, Transparenz.

 

Auch Unternehmen haben Grund zur Annahme, dass sie früher oder später in die Schusslinie von Wikileaks oder einer anderen Whistleblower-Plattform geraten können.

 

Doch dieses Risiko ist nicht neu: Es gab schon immer undichte Stellen und Maulwürfe – auch wenn durch die Möglichkeiten des Web 2.0 eine neue Qualität in die Frage nach Sicherheit von Informationen getreten ist.

 

In den letzten Jahren haben sich außerdem die Medien zunehmend dem investigativen Journalismus zugewandt. So hat beispielsweise die Welt aber auch der Focus eigene Ressorts für dieses Thema eingerichtet und personell bestückt.

 

Spätestens seitdem 2008 bekannt wurde, dass das Unternehmen Lidl seine Mitarbeiter überwachen lässt oder dem Spitzel-Skandal bei der Telekom ist das Glashaus-Axiom bestätigt: Jedes unternehmerische Handeln ist öffentlich.

 

Das Risiko für Unternehmen, dass Informationen an undichten Stellen durchdringen, besteht also nicht erst seit gestern. Unternehmen sind in der Regel, was die Informationsoffenheit und Transparenz betrifft, eher konservativ.

 

Nicht alles, was an Informationen vorhanden ist, ist auch für die Öffentlichkeit bestimmt. Strategien beispielsweise, die den Wettbewerb betreffen oder Informationen über Investitionen in neue Produkte und Verfahren werden sehr sensibel behandelt.

 

Die Forderung nach Transparenz auch im unternehmerischen Handeln aber wird in der kritischen Öffentlichkeit immer lauter. Es ist kein vorübergehender Trend, sondern eine nachhaltige Entwicklung.

 

Unternehmen müssen sich darauf einstellen. Das alte PR-Credo „Keine schlafenden Hunde wecken“, gilt nicht mehr. Die Hunde schlafen schon längst nicht mehr, erst recht nicht in Zeiten von Social Media und Web 2.0 – wie die Ereignisse spätestens seit Wikileaks eindrucksvoll zeigen.

 

Kai vom Hoff in der WirtschaftsWoche, Ausgabe 50 / 2010 Das Enthüllungsrisiko der Konzerne

 

Das bedeutet auch, dass Unternehmen in den kritischen Fokus einer (Online-) Öffentlichkeit rücken können, wie das Beispiel von MasterCard zeigt.

 

Unternehmen sollten mögliche Konflikte antizipieren und vorbereiten. Hierzu dient das sogenannte Issues-Management, das in vielen Organisationen noch nicht hinreichend verankert ist.

 

Dies ist eine Organisationsaufgabe, aber auch eine kulturelle Einstellung. Themen, Entwicklungen und Veränderungen müssen erkannt und rechtzeitig angepackt werden.

 

Dazu braucht es die Unterstützung der Unternehmensspitze, Kommunikation in seiner Wertschöpfung auch in kritischen Situationen anzuerkennen.

 

Wie schätzen Sie die „Bedrohung“ von Wikileaks oder anderer Whistleblower-Plattform für Unternehmen ein?


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vom Hoff Kommunikation Düsseldorf – Strategische Kommunikationsberatung für namhafte Unternehmen und Institutionen.