21. September 2016

Wie offen ist Stakeholder-Dialog?

 

Wirft man einen Blick in aktuelle Nachhaltigkeits- und Geschäftsberichte, gewinnt man den Eindruck, als würde auf allen Ebenen dialogisiert: vom Bürgerdialog bei Investitionsprojekten über Nachbarschaftsdialoge mit Anwohnern bis hin zum groß angelegten Stakeholder-Dialog im Rahmen der Nachhaltigkeitsberichterstattung. Auch kaum ein größeres Gesetzesvorhaben kommt heute noch ohne Dialog aus.

 

Dialoge – nur ein Trend?

 

Kein Zweifel: Dialog als Mittel der gesellschaftlichen Konfliktbearbeitung liegt voll im Trend. Moderne Unternehmen erarbeiten sämtliche unternehmensrelevante Entscheidungen „im Dialog mit den Stakeholdern“ – ist ja klar…

 

Ist das wirklich so? Wir stellen fest: Oftmals wissen Unternehmen erstaunlich wenig über die Einstellungen ihrer Anspruchsgruppen. Stattdessen wird oftmals auf der Basis bisheriger Erfahrungen deren Meinung antizipiert. Derartige „Pfadabhängigkeiten“ bergen die Gefahr, zu spät auf gesellschaftliche Entwicklungen zu reagieren oder Chancen, die sich aus einem echten Dialog ergeben, zu verpassen.

 

Anstatt passgenaue Angebote zu entwickeln wird so oftmals Geld in teure CSR-Maßnahmen gesteckt, deren Wirkung zumindest zweifelhaft ist. Damit ist man ja auf der sicheren Seite. Echter Austausch und Erkenntnisgewinne für das Unternehmen: Fehlanzeige.

 

Zielführender ist hier ein gezielter Dialog  mit ausgewählten, relevanten Stakeholdergruppen und Multiplikatoren. Dieser findet jedoch noch viel zu selten statt: zu riskant, zu aufwändig. Bezeichnend hier das Statement des NABU-Vorsitzenden Josef Tumbrinck auf der Regionalkonferenz „Dialog schafft Zukunft“: „Wir sind gesprächsbereit – aber keiner kommt auf uns zu.“ Angesichts solcher Erfahrungen erscheint es fraglich, wie ernst es Unternehmen mit einem echten Dialog auf Augenhöhe tatsächlich meinen.

 

Dialog ist eine Frage der Haltung

 

Dialog ist eben nicht nur ein Instrument unter vielen, sondern auch eine Frage der Haltung. Es erfordert die Bereitschaft, offen zu kommunizieren, eigene Meinungen zu hinterfragen und nicht zuletzt auch, unterschiedliche Ansichten auszuhalten. Dialog heißt eben nicht, am Ende immer einer Meinung zu sein. Initiativen wie der Klima.Diskurs NRW zeigen, wie dies funktionieren kann.

 

Gerade Organisationen, deren Kultur vor allem auf Kontrolle und Risikominimierung ausgelegt ist, tun sich hiermit nach wie vor schwer. Gerade hier braucht es ein klares Commitment der Führungsebene, dass Dialog – auch im Sinne des Risikomanagements – ausdrücklich erwünscht ist. Dialog ist ein Frühwarnsystem für gesellschaftliche Themen und Trends. Vielfach wird dies noch umgekehrt wahrgenommen.

 

Nicht zuletzt schaffen Unternehmen durch Dialogangebote eine Plattform, auf der nicht über sie, sondern mit ihnen gesprochen wird. Die Erkenntnisse, die hier gewonnen werden, sind oft wertvoller als aufwändige Medien- und Stakeholderanalysen vom Schreibtisch aus.

 

Nun kann man lange über die Vorzüge von Stakeholder-Dialogen reden. Am überzeugendsten sind hier letztlich vor allem positive Erfahrungen im eigenen Unternehmen. Gerade in der Etablierung derartiger Prozesse ist die Zusammenarbeit mit externen Dialog-Experten sinnvoll. Sie können am besten einschätzen, was für das jeweilige Unternehmen und Dialog-Ziel am besten passt. Fließen die Erkenntnisse dann in das Unternehmen zurück und führen zu spürbaren Veränderungen, können auch Zweifler überzeugt werden.


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