20. Juli 2016

Von Kugelmenschen und Kommunikation – Frauen in der Führungsebene

Der alte Zeus hat Schuld. Nämlich daran, dass die Menschheit sich in Männer und Frauen unterteilt. Ursprünglich waren die Menschen, will man der griechischen Mythologie glauben, kugelförmig mit vier Armen, vier Beinen sowie zwei Köpfen – und vor allem waren sie eines: übermütig. Da sie die Götter zu stürzen versuchten, teilte Zeus sie in zwei Hälften: Männer und Frauen. Geteilt waren sie nur halb so stark. So weit hergeholt es klingen mag, der Kern dieses alten Mythos klingt bis heute in der gesellschaftliche Debatte an: Sind Frauen und Männer im Beruf gemeinsam stärker?

 

Frauen in der Führungsebene: ein Gewinn?

 

Viele haben gejubelt, andere die Idee zur Einführung einer Frauenquote in Deutschland verteufelt. Das Gesetz für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen in der Privatwirtschaft und im öffentlichen Dienst, das am 1. Mai 2015 in Kraft getreten ist, ist durchaus diskussionswürdig. Ist eine von der Politik vorgegebene Personalpolitik in Unternehmen sinn- und gewinnbringend? Glaubt man einer Studie des renommierten Beratungsinstitutes McKinsey ist sie das. Vor allem dann, wenn Frauen keine Einzelkämpfer bleiben, sondern integrativ und mit anderen Frauen die Führungsebene verstärken. Firmen mit einem hohen Frauenanteil auf eben jener Hierarchieebene erwirtschafteten rund 50 Prozent höhere Gewinne als der gängige Branchendurchschnitt der untersuchten US-Unternehmen, so das Urteil der Analysten.

 

Doch noch immer hinken wir in Deutschland den Ansprüchen einer gerechten Verteilung von Führungsposten hinterher. Laut einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), die Anfang 2016 veröffentlicht wurde, wird zwar jeder vierte Führungsposten von einer Frau bekleidet. Was nach zartem Fortschritt klingt, ist objektiv jedoch keiner: Bereits 2004 lag der Frauenanteil bei 24 Prozent. Kein Schritt vorwärts also in dieser wichtigen gesellschaftlichen Frage seit mehr als zehn Jahren. Dabei ist erwiesen: Frauen und Männer bereichern den Arbeitsalltag und die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens gleichermaßen, auch weil sie sich in ihrem Kommunikationsverhalten ergänzen.

 

Männer reden lauter, Frauen prägnanter

 

So verwies Helmut Ebert 2003 in seinem Werk „fe-male – Kommunikationsbarrieren zwischen Mann und Frau“ darauf, dass die Kommunikation von Frau und Mann grundsätzlich defizitär sei. Männer seien demnach lauter und in ihrer Wortwahl wesentlich unbedachter, nutzten verschachtelte, längere Sätze, würden jedoch in der Masse vom Gebrauch umgangssprachlicher Regelungen absehen. Sie wirkten, so die Ergänzung des Steinbeis-Innovationszentrums Unternehmensentwicklung an der Hochschule Pforzheim (SIZ), in ihrer Kommunikation meist souveräner.

 

Frauen hingegen sind Teamplayer. Sie verkörpern den „Wir-Gedanken“ weitaus glaubwürdiger und ehrlicher als ihre männlichen Pendants. Lob, eines der wesentlichen Instrumente zur MitarbeiterInnenbindung, kommt den weiblichen Beschäftigten der Führungsebene weitaus öfter über die Lippen. Im Schriftverkehr sind sie der Männerwelt gleichfalls ein gutes Stück voraus: Die Nutzung kurzer, prägnanter Sätze macht die Kommunikation sowohl unter Kollegen als auch mit Geschäftskunden wesentlich einfacher. Helmut Ebert ist sich derweil sicher, dass Frauen die Kommunikation nutzen würden, um berufliche Beziehungen zu festigen.

 

Astrid Nelke-Mayenknecht von der FU-Berlin geht in ihrer Arbeit „Kommunikationsstrategien und Netzwerkbeziehungen von Frauen und Männern im Beruf“  davon aus, dass Männer in Führungspositionen eher eine Ressourcen- und Positionsmacht bekleiden, „während weibliche Führungskräfte eher eine Expertenmacht als Spezialistinnen ausüben und im Gegensatz zu männlichen Führungskräften eher Stabsstellen in der Organisation besetzen“.

 

Frauen und Männer stehen nicht in Konkurrenz

 

Viele Studien, noch mehr Meinungen. Doch entsprechen diese Aussagen auch nur im Ansatz der Realität, so sind Mann und Frau nicht jene oftmals beschworenen Konkurrenten um Führungspositionen. Vielmehr sind sie in ihren schematisch skizzierten Begabungen zwei sich ergänzende Hälften. Männer haben keine besseren Qualifikationen gegenüber den „weichen“, durchaus vielbelächelten sozialen Qualifikationen ihrer Kolleginnen. Beide haben ihre Berechtigung. Und beide sind wertvoll im beruflichen Kontext. Längst schätzen umsichtig agierende Unternehmen die unterschiedlichen, ganz individuellen Stärken ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, insbesondere in Bezug auf ihre unterschiedliche Art und Weise der Kommunikation. An der adäquaten Position auf der Führungsebene platziert, werden sie zu einer Bereicherung in einer Welt, in der Wirtschaftlichkeit, Mitarbeiterzufriedenheit, Diversität und unternehmerischer Weitblick zunehmend wichtiger werden.

 

Frau und Mann ausgewogen in Führungspositionen sind also letztlich ein Garant für Erfolg – und dies nicht etwa trotz, sondern gerade wegen der unterschiedlichen Formen ihrer Kommunikation. Oder um es wider dem alten Zeus zu fordern: Es wird höchste Zeit, die beiden Hälften endlich wieder zu einem übermütigen Team zusammenzufügen!

 


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