21. Oktober 2010

Vertrauen Sie Statistiken? Das Lesen zwischen den Zahlen

„Vorsicht ist besser als Nachsicht“ ist ein gängiges Sprichwort. Bei jeder Entscheidung, die wir treffen, wägen wir innerlich ab: Welche Konsequenzen trägt mein Handeln? Welche Risiken gibt es? Wie wahrscheinlich ist ein möglicher Schaden?

 

Wir alle haben eine – wie es in der Wissenschaft heißt – subjektive Risikowahrnehmung. So schätzt der eine die Wahrscheinlichkeit als hoch ein, mit dem Flugzeug abzustürzen. Ein anderer wiederum sieht kein erhöhtes Risiko darin, ohne Sicherung einen Berg zu besteigen. Spekulanten investieren in Hedgefonds, der Familienvater von nebenan weiß sein Geld sicher auf der Sparkasse.

 

Wie aber bewerten wir ein potentielles Risiko? Woher wissen wir, was wir ohne Bedenken essen können, wie sich der Euro entwickeln wird oder ob wir uns in diesem Winter gegen das Influenza-Virus impfen lassen sollen?

 

Letztlich sind wir alle abhängig von Informationen. Wir müssen uns entscheiden, ob wir unserem Anlageberater, unserer Bundeskanzlerin oder den Medien Vertrauen schenken. Doch geht das so einfach?

 

Sind wir überhaupt in der Lage aus einem Wust an Empfehlungen, Einschätzungen, Warnungen und Expertenmeinungen ein differenziertes Urteil zu fällen? Haben wir die Kompetenz, mit Wahrscheinlichkeiten und Risiken richtig umzugehen?

 

Nach einer Studie der R+V Versicherung über die „Die Ängste der Deutschen 2010“
steigt das durchschnittliche Angstniveau in diesem Jahr auf den zweithöchsten Wert seit Beginn der Studie im Jahr 1990. 53 % der Deutschen haben beispielsweise Angst vor terroristischen Anschlägen.

 

Wie hoch aber ist das Risiko durch einen Anschlag zu sterben wirklich? In jedem Fall verschwindend gering im Vergleich zu der Wahrscheinlichkeit durch einen Haushaltsunfall ums Leben zu kommen, wie man an den aktuellen Zahlen der Todesursachenstatistik des Jahres 2009 sehen kann.

 

Oder erinnern wir uns zurück an den letzten Winter. Wer hat nicht mit sich gehadert, ob er sich zum Schutz gegen den Virus H1N1 impfen lassen soll – obwohl doch jährlich 7000-12000 Menschen an der saisonalen Grippe sterben.

 

Die Art und Weise, wie Statistiken und Wahrscheinlichkeiten rauf und runter interpretiert und ausgelegt werden, gibt zu denken. Nicht nur die Medien beteiligen sich am lustigen „Spiel mit Zahlen“, um die Sensationslust der Menschen zu bedienen und somit die Höhe der Auflage oder Einschaltquoten zu steigern.

 

Auch NGOs beeinflussen die subjektive Risikowahrnehmung von Verbrauchern durch überspitzte bis falsche Übersetzungen wissenschaftlicher Untersuchungen. Was steckt dahinter, wenn Greenpeace nach eigenen Untersuchungen „aufdeckt“, dass Früchte stark mit „Pestiziden“ belastet seien?

 

Wir als Verbraucher sind verunsichert, den nächsten Apfel werden wir bestimmt nicht ohne Bedenken genießen können. Das gefühlte Risiko steht aber nicht im Verhältnis zum tatsächlichen, wie eine Studie des Bundesinstituts für Risikobewertung zeigt.

 

Demnach glauben zwei Drittel der Bevölkerung, dass Rückstände von Pflanzenschutzmittel grundsätzlich nicht erlaubt seien. Unbekannt hingegen ist, dass es gesetzliche Höchstgehalte von Rückständen in Lebensmitteln gibt, die strengen und regelmäßigen Kontrollen unterstehen. Wenn also „Pestizidrückstände“ gemessen werden, besteht noch lange kein gesundheitliches Risiko für den Verbraucher.

 

Bereits vor über 100 Jahren gab der Schriftsteller H.G. Wells Folgendes zu bedenken:

„Statistisches Denken wird für den mündigen Bürger eines Tages dieselbe Bedeutung haben wie die Fähigkeit, lesen und schreiben zu können“. Lesen und schreiben – diese Herausforderung haben wir gemeistert. Statistisches Denken also der Umgang mit Zahlen, Statistiken und Wahrscheinlichkeiten – an dieser Herausforderung müssen wir noch arbeiten.

 

Diese Moral von der Geschicht kann uns auch in der Kommunikation von Nutzen sein. Bei der Vertretung von Interessen und der Platzierung von Themen in der öffentlichen Wahrnehmung werden wir es kaum vermeiden können, Position zu beziehen.

 

Hierbei greifen wir natürlich auch auf Zahlen und Statistiken zurück, die uns helfen, unsere Botschaft zu bekräftigen. Aber wir wollen nicht manipulieren sondern überzeugen. Eine transparente Kommunikation durch ausgewogene Inhalte und wasserdichte Informationen führt zum Ziel – ohne Verunsicherung und falsche Panikmache. Oder was denken Sie?


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