14. Januar 2016

Mit dem Gegner spricht man nicht?! Ist das so?

Mit dem Gegner spricht man nicht?! Ist das so?

Warum Unternehmen mit Kritikern sprechen sollten und was sie dabei lernen

 

Kunden, Mitarbeiter, Politik, Verwaltung, Medien stehen per Definition für Zielgruppen. Was aber, wenn nun neue Gruppen hinzukommen und ihre kritischen Ansprüche formulieren? Nichtregierungsorganisationen, Verbraucherschützer, Globalisierungsgegner, Kirchen, Bürgerinitiativen werden nicht selten als Gegner, Kritiker oder mitunter sogar Feinde betitelt.

 

Wie lässt sich an ein „Nein“ anschließen, wenn es beispielsweise um die Flächenausbaupläne eines Industriebetriebes geht? Ist die Kreuzkröte in ihrer natürlichen Umgebung potentiell gefährdet, drohen Millioneninvestitionen zu scheitern. Wobei die Kreuzkröte an sich schuldlos ist an diesem Dilemma.

 

Brauchen wir womöglich einfach mehr Dialogangebote mit Andersdenkenden? Mancher Anbieter für Dialogkommunikation scheint solche Erwartungen zu wecken. Ist ein Dialog, in dem sich die strittigen Parteien auf Augenhöhe begegnen überhaupt möglich? Welche bis tief in die DNA einer Organisation präjudizierenden Einstellungen, Wahrnehmungen und Verhaltensrituale existieren auf beiden Seiten, die den „Mythos“ des Gegners unterstreichen? Ist Gegnerschaft demnach in Stein gemeißelt?

 

Machtverhältnisse verschieben sich

 

Eine zentrale Erkenntnis aus dem World Economic Forum in Davos ist: Die Machtverhältnisse verschieben sich. Die Welt wird kleinteiliger und unübersichtlicher und dadurch die Durchsetzung – auch von Unternehmensinteressen – schwieriger. Legalität ersetzt heutzutage keine gesellschaftliche Legitimität.

 

Protestbewegungen sind überdies kein deutsches Phänomen. Partizipation, Beteiligung, Vernetzung, virtuelle Shitstorms, die Globalisierung bringt Menschen aus aller Welt zusammen. Große Mächte wanken, es entstehen neue Mikromächte. Diese bestimmen wiederrum, wie Themen gesetzt und wahrgenommen werden.

 

Wer kümmert sich um die Kritiker?

 

Vielerorts besteht in der Tat Berührungsangst, wenn es um kritische Anspruchsgruppen geht. Zudem sind diese meist hervorragend informiert und überdies vernetzt. Dabei geht es kritischen Gruppen gewiss nicht um die Vereitelung von Investitionen oder gar um die Gefährdung von Arbeitsplätzen. Vielmehr geht es um legitime Erwartungen mit denen sich Unternehmen in einer pluralen Gesellschaft mehr und mehr zu beschäftigen haben. Die klassische Rollenverteilung wird dabei außer Kraft gesetzt.

 

Häufig herrschen auch unklare Vorstellungen von der Arbeit und den Zielsetzungen des Gegenübers. Das prägt die gegenseitige Wahrnehmung. Und am Ende auch die Haltung. Unternehmen, vor allem diejenigen, die latent Themen auf der Agenda haben, wo Mensch und Umwelt sensibel berücksichtigt werden sollten, brauchen strukturelle aber auch inhaltliche Antworten auf die neuen Herausforderungen. Warum also nicht einen CIA – Chief Infrastructure Affairs – installieren und etablieren, der sich um berechtigte Anliegen kümmert und auf Grund seiner exponierten Stellung im Unternehmen als Seismograph für kritische Sichtweisen agiert, Probleme frühzeitig identifiziert und als glaubwürdiger Mittler zwischen den Welten aufritt.

 

Nicht jedes Problem kann dabei behoben werden. Es ist aber allemal besser eine Kultur des Gesprächs untereinander zu entwickeln als sich anzuschreien. Im Übrigen haben, bei näherer Betrachtung, Alternativvorschläge nicht selten zu einer produktiven Auseinandersetzung mit neuen Lösungswegen geführt. Nicht selten sogar zu Innovationen. Schumpeter lässt grüßen.

 

Dieser Beitrag ist Teil 1 unserer neuen Serie „Mit dem Gegner sprechen“, in der wir in loser Folge diskutieren, wie man auch mit Kritikern erfolgversprechend kommunizieren kann.


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