7. März 2016

Mit dem Gegner sprechen? In jedem Fall.

Mit dem Gegner sprechen? In jedem Fall.

Kürzlich hatte ich mich an dieser Stelle mit der Frage auseinander gesetzt: Wie gehen Unternehmen mit Kritikern um?

 

Aus der Praxis weiß ich: Dies ist eines der wenigen wirklich großen Mysterien der Unternehmenskommunikation. Nicht wenige Organisationen haben nach wie vor Sorge, mit kritischen Gruppen in den Dialog zu treten. Nun kann dies unterschiedliche Gründe, zum Teil historisch bedingte, haben und nicht jede Position erzielt ohne weiteres in der Diskussion Zustimmung. Dies führt zu der ersten Erkenntnis, dass das Gespräch nicht auf den ersten Blick das Ziel verfolgen sollte, den anderen von seiner Position zu überzeugen. Zu tief ist häufig die Kluft zwischen der einen und der anderen Weltanschauung. So wird es bei kritischen Gruppen substanzielle Differenzen geben, die eine Einigung kaum möglich erscheinen lassen. Genauso umgekehrt. Frustration ist das Ergebnis. Das Gegnerverhältnis erhält somit eine neue Stabilität.

 

Das Widerstrittige, die andere Meinung, ist ja häufig genau der Grund für die Legitimation eines „innigen“ Verhältnisses zwischen Gegnern. Man braucht sich!

 

Learning Nr. 1: Leben mit der Kritik.

Das mag sich paradox anhören, ist aber wesentlich realistischer, als der fromme Wunsch aus Gegnern Befürworter zu machen. Dennoch kann eine Organisation viel über sich und über andere lernen. Anstelle jegliche andersartige Auffassung brüsk von sich zu weisen und die beleidigte Leberwurst zu spielen, erkennen mehr und mehr modern geführte Unternehmen die Chancen, die sich aus der Reflektion möglicher Schwachstellen und Optimierungen ergeben. Mehr noch, das „Ernst nehmen“ von Anliegen besorgter Gruppen und die Prüfung auf denkbare Planungsvarianten zeigt wie im Fall der frühzeitigen Öffentlichkeitsbeteiligung bei Groß- und Infrastrukturprojekten, dass dies nicht nur ein gangbarer Weg ist, sondern zudem auch Zeit und Kosten einspart, die im Zuge von Klageverfahren zu erwarten sind.

 

Learning Nr. 2: Kritik zulassen ist eine Frage der Haltung.

Und die wird in der Regel durch die Führung im Unternehmen bestimmt. Womit wir zu einer gravierenden und auch heiklen Betrachtung kommen: Eichen faulen in der Regel von innen. Ja, sie haben richtig gelesen! Damit ist nicht ein Exkurs in Botanik gemeint, es geht um das innere Verständnis, um kulturelle Bereitschaft einer Organisation zu lernen und sich zu entwickeln. Das jedoch gelingt nur, wenn die Organisation und ihre Protagonisten offen sind für Veränderungen. In der Vergangenheit gab es bei der Mehrzahl großer Unternehmen zwei Modelle mit Skeptikern umzugehen: Ignorieren oder Bekämpfen. Beides ist Ausdruck einer alten Welt und gewiss nicht zeitgemäß. Das Zugehen aufeinander an sich ist ein Wert. Und Ausdruck von Souveränität.

 

Learning Nr. 3: Wer den Dialog will, der sollte auch bereit sein, ihn zu führen. Kommunikation wird zunehmend dialogischer. Und damit auch kleinteiliger und zeitintensiver. Nicht alles lässt sich dabei beherrschen. Vor allem dann nicht, wenn Sachargumente auf Emotionen prallen. Ein Unternehmen sollte darauf vorbereitet sein. Und es sollte nicht gleich klein begeben, wenn es etwas abbekommt. Das gehört zum Geschäft. À la longue goutiert es die Öffentlichkeit, selbst die kritische, wenn das Unternehmen sich dauerhaft gesprächsbereit zeigt. Auch dann, wenn es keine Schönwetter Nachricht gibt. Denn über Herausforderungen zu sprechen, wird häufig besser verstanden, als man es gemein annimmt. Das erhöht die Glaubwürdigkeit des Informanten.

 

Mit Kritikern zu sprechen braucht Mut. Aber es lohnt sich. Übrigens für beide Seiten!

 

Dieser Beitrag ist Teil 2 unserer Serie „Mit dem Gegner sprechen“, in der wir in loser Folge diskutieren, wie man auch mit Kritikern erfolgversprechend kommunizieren kann. Fortsetzung folgt.


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