9. März 2012

Lärm ist das neue Stuttgart 21

Eine neue Protestwelle überrollt Deutschland, wieder heißt es „Bürger auf die Barrikaden“: Erinnerungen an Stuttgart 21 werden wach. Doch dieses Mal ist es Lärm, der für erhitzte Gemüter sorgt. Lärmquellen sind Flugzeuge, Züge oder Autos. Die Proteste sind über die gesamte Republik verteilt. Drei Beispiele:

 

  • In Berlin protestieren die Bürger gegen den Fluglärm, der ihnen bei der Inbetriebnahme des Großflughafens BBI droht. In Frankfurt und den umliegenden Gemeinden leiden Anwohner bereits seit Monaten unter den Geräuschen startender und landender Flugzeuge auf der 2011 eröffneten neuen Startbahn. Mittlerweile formiert sich Protest auch an anderen deutschen Flughäfen, die Bürgerinitiativen schließen sich zusammen. Als Lösungen werden geänderte Flugrouten, bauliche Schallschutzmaßnahmen oder der Einsatz leiserer Flugzeuge geprüft.

 

  • Lärm ist auch das zentrale Problem im UNESCO-Weltkulturerbe Mittelrheintal: dort fahren an beiden Rheinufern Tag und Nacht unzählige Güterzüge, viele davon im Transit zwischen den Seehäfen und den Alpenländern. Eine Umleitung der Züge ist nicht möglich; Ausweichstrecken fehlen. Genau wie im Falle der Flughäfen klagen die Anwohner über gesundheitliche Folgen, den Wertverlust von Immobilien und sinkende Übernachtungen durch Touristen. Entlang des Rheins wird versucht, durch eine Modernisierung der Güterwagen eine Reduzierung des Lärms zu erreichen. Diese Umrüstung wird jedoch ein jahrelanger Prozess. Außerdem wird der Bau einer Ausweichstrecke in Erwägung gezogen. Um 2040 wäre mit der Fertigstellung zu rechnen – gesetzt den Fall, entlang der neuen Strecke regt sich kein entsprechender Protest.

 

  • Lärm ist aber auch ein Problem, das vom Straßenverkehr verursacht wird. „Freie Fahrt für freie Bürger“ – dieses Motto hat der Bundesrepublik nicht nur ein Straßennetz von einmaliger Qualität und Dichte gebracht, sondern auch unzählige Konfliktherde entlang von Autobahnen und Bundesstraßen. Ein besonders ungewöhnliches Beispiel zum Lärmschutz an Autobahnen findet sich in Bayern: Für 80 Mio. € wurde bei Aschaffenburg eine kilometerlange Einhausung der Autobahn A3 errichtet. Das ist eine technisch eindrucksvolle Lösung – aber schon aus rein ökonomischer Sicht keine Blaupause für alle Orte, in denen lärmgeplagte Anwohner versuchen, die Belastung durch den Autoverkehr zu mildern.

 

Das Problem hinter den Lärmprotesten: Die Bürger wehren sich gegen durchgeplante oder sogar bereits realisierte Projekte. Nur: je weiter fortgeschritten ein Projekt ist, desto schwieriger wird es für die zuständigen Unternehmen oder Behörden, bei Nachbarn, Anwohnern und Interessierten noch nachträglich für Unterstützung zu werben. Zumal sich viele Bürger erst nach erfolgter Umsetzung über die Konsequenzen klar werden. Sie sollten dann nicht mit den vollendeten Tatsachen alleine gelassen werden. Dies würde weitere Proteste heraufbeschwören und womöglich auch negative Auswirkungen auf Folgeprojekte haben.

 

Wie also könnten Lösungen aussehen? Zunächst einmal gilt wie so oft: Es müssen individuelle Lösungen gefunden werden. Nicht selten ist die Akzeptanz für ein Projekt von Detailfragen abhängig. Und die lassen sich am besten im Dialog ermitteln.


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