7. März 2018

Eine Satire als Ode an die Wahrheit

Ich bin ein großer Freund guter Satire. Und ich wage zu behaupten, dass im (einstigen) Land der Dichter und Denker viele meine Vorliebe teilen. Nicht umsonst haben Formate wie die NDR-Sendung „extra 3“ (810.072 Abonnenten bei Facebook) und „Der Postillon“ (mehr als 2,7 Millionen Abonnenten) solch eine große Internet-Community. Interessanterweise tummeln sich in diesen Gruppen jedoch nicht nur verständnisvolle Genießer gut pointierter Satirebeiträge sondern gleichfalls Personen, die den „satirisch-journalistischen Inhalt“ für bare Münze nehmen. Und auf diesem aufbauend unsere Gesellschaft, die Politik – ja, manchmal gar die Demokratie selbst – kritisieren.

 

Ironie und Satire müssen gelernt sein. Sie setzt neben gewissen kognitiven Fähigkeiten einen unabdingbaren Informationsstand bei dem Leser voraus. Im Zeitalter der „Alternativen Fakten und Fake News“ ist das nicht unbedingt gegeben: Das Spiel mit Emotionen unter Einbezug von Un- und Halbwahrheiten erfährt eine Renaissance in unserem Informationsalltag. Mehr und mehr Personen flüchten sich in eine durch Algorithmen generierte Scheingesellschaft und leben in einem Informationsvakuum. In einer „Matrix der Ignoranz“, könnte man sagen. Sie hinterfragen nicht mehr. Sie unterscheiden nicht mehr zwischen Fakten und Fiktion. Sie bedienen sich einer einzigen Informationsquelle (die darüber hinaus noch gefiltert ist) und lassen sich so eine Meinung entweder a) diktieren oder b) nur noch bestätigen. Das birgt vor allem für Populisten die Möglichkeit durch einfache, aber emotionalisierte Wortbeiträge Menschen zu erreichen.

 

Ich male mir die Welt…

 

Wir leben mittlerweile also in einer Welt, in der viele Menschen mit ihren individuellen psychologischen Schreibutensilien à la Pippi Langestrumpf Fakten verdrehen und ihre eigenen Welten malen/konstruieren. Und als wäre das nicht genug: Die Faktenverdreher scheinen eine Vorliebe zu gruppendynamischen Lyrik-Onlinekursen in Facebookgruppen zu hegen und zudem einen Hang zu Rechtschreib- und Grammatikschwäche zu haben. Anders als bei den einstigen großen Denkern unseres Landes führt diese heute in Teilen verbreitete Geisteshaltung jedoch zu der beängstigenden Annahme, dass der Wissensdurst und das Streben nach der Wahrheit in Gefahr sind.

 

Ein Zeugnis dafür ist, wie bereits oben bemängelt, das Unvermögen mancher Online-Konsumenten, zwischen Satire, journalistischem Artikel oder einer Reportage zu unterscheiden. Nicht nur der Inhalt sondern auch der Kontext – also das Format – ist zu betrachten. Freilich hat die Kunst der Wahrheitsfindung schon Hegel und Kant ordentlich den Kopf zermürbt. Auch Sir Isaac Newton widmete sich dem Thema und sagte: „Was wir wissen, ist ein Tropfen, was wir nicht wissen, ein Ozean.“ Unsere Aufgabe sollte es also sein, unseren Informations- und Wissensstand zu erweitern, um der Wahrheit am Ende so nahe wie möglich zu kommen. Eine Informationsquelle, und soviel Wahrheit sollte sein, reicht dort bei Weitem nicht.

 

… wie sie mir gefällt

 

Ich bin Norddeutscher. Uns sagt man nach, mit norddeutscher Kühle, Forschheit und dem „friesisch Herben“ (Ich komme übrigens aus Hamburg: da sind wir zwar herb, aber nicht friesisch) die Wahrheit auszusprechen. Dabei ist allein diese Aussage schon anmaßend (würde Newton wohl schon sagen). Unbestritten ist jedoch: Menschen, die sich haben mitreißen lassen, ohne Informationen zu hinterfragen, gab es schon immer. Sie waren diejenigen, die in sinnlose Kriege zogen, auf Geheiß einiger weniger Morde oder rassistische Taten begangen und auf der Straße Bürgerkriege anzettelten. Das Phänomen, Mitläufer zu sein, oder sich auf Basis einzelner Informationen – gerade weil diese die eigene Meinung bedienen – ein Urteil zu fällen, gab es schon immer. Dass sich der kommunikative Prozess und somit die Auswirkungen durch die Filterblasen des Internets verselbstständigt haben, ist jedoch der Grund, warum die Debatte über die Glaubwürdigkeit etablierter Medien, der Politik oder der Existenzberechtigung der Demokratie häufig einen negativen Drive bekommen haben. Was wir also brauchen, ist eine Besinnung zu den Tugenden der einstigen Denker: Dem Streben nach der Wahrheit. Dazu gehört es, sich umfassend zu informieren. Um sich abschließend eine fundierte, faktenbasierte, aber eben auch eigene Meinung bilden zu können. Dann klappt’s auch mit der Einordnung der Satire.


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