19. Oktober 2016

Die Zukunft der Medien: Wie Visionen wahr werden

Rückläufige Leserzahlen, schwindende Einnahmen und Stellenabbau in den hiesigen Redaktionen: So beschreiben wir das Zeitgeschehen der Printmedien.

 

Zunächst sei einmal gesagt, dass der flächendeckende Eindruck dieser massiven Veränderung nur die Momentaufnahme eines Teils der Branche darstellt. Es sind vorzugsweise die großen, überregionalen Medien, die mit sinkender Leserschaft zu kämpfen haben.

 

Regional ist und bleibt In. Das hat auch „Der Spiegel“ erkannt, der in diesem Jahr erstmalig mit einem Regionalteil für Deutschlands größtes Bundesland NRW versucht, neue Leser zu gewinnen. Regional ist also eine mögliche Strategie, den Marktschwankungen entgegen zu wirken.

 

Die Fehler deutscher Medienhäuser

 

In der Pressewelt haben sich die großen Verlagshäuser von jeher mit der Umstellung ihrer Inhalte auf onlinebasierte Berichterstattung schwer getan – in Deutschland zumindest. Was zunächst als Ergänzungsangebot gedacht war, wurde schnell zu einem Konkurrenzmedium des eigenen Hauses.

 

Inhalte wurden zeitversetzt sowohl im Print- als auch im Onlinemedium bereitgestellt. Als Leser musste man nur lange genug warten, um den gleichen Inhalt kostenfrei zu lesen. Diese Ausdauer hatten vor allem Berufstätige.

 

Mit Online-Abonnements haben die Verlage schließlich versucht, diesem Prozess entgegenzuwirken. Mit überschaubarem Erfolg. Denn der Informationsfluss im Internet macht es möglich, Nachrichten aller Art auch kostenfrei zu beziehen.

 

Zudem kann man sich nicht dem Eindruck verwehren, dass auch die Website langsam ihren Zenit erreicht hat. Informationen verbreiten sich zunehmend schneller über die sozialen Medien oder Apps.

 

Wie der Umbruch eines großen Medienhauses aussehen kann, sieht man derzeit in den USA. Das einstige Flaggschiff des US-Journalismus, die Washington Post, kämpfte bis 2013 ums Überleben, um seine Stellung im journalistisch-relevanten, landesweiten Spannungsfeld.

 

Vergebens. Das in die Jahre gekommene Vorzeigemedium, welches unter anderem durch die Watergate Affäre um Ex-Präsident Richard Nixon berühmt wurde, verschwand in der Versenkung regionaler Belanglosigkeit.

 

Mit Bezos zurück zum Erfolg

 

Was nun kommt klingt wie eine Geschichte aus einem Märchenbuch – durch einen neuen „König“ wandelte sich das verstaubte Königreich der ‚Post‘ in ein modernes, digitalisiertes Imperium mit wachsender Leserschaft. Die Erfolgsstory begann noch im Jahr 2013.

 

Für 250 Millionen US-Dollar erwarb Amazon-Gründer Jeff Bezos die Hauptstadtzeitung. Kritisch beäugt und belächelt von der Medienszene der USA. Welchen Beitrag könnte ein Online-Shopping-Mogul schon für den Journalismus leisten?

 

Wer sich beim Amtsantritt Bezos‘ lachend auf dem Boden gekrümmt hat, dem sollte heute die Schamesröte ins Gesicht steigen. Denn der Amazon-Gründer veränderte das Gesicht der Post grundlegend.

 

Aus dem einstigen Medienhaus wurde eine moderne Kombination aus Technologie- und Medienunternehmen – ein Vorreiter im Bereich der Digitalisierung der Zeitungsbranche.

 

Im Fokus dieses Umbruchs stand jedoch niemals die Technologie alleine: Schnellere, packendere Texte sollten junge und alte Leser gleichermaßen ansprechen – und dies ohne die notwendige Seriosität zu verlieren, welche sich das Blatt über mehrere Jahrzehnte erarbeitet hat.

 

Die Technik hinter dem Erfolg der Washington Post

 

Doch wie lassen sich fesselnde Geschichten, Trends und Hypes für Zeitungen in einer solch schnelllebigen Welt erkennen und verarbeiten, ohne dabei den Anschluss zu verlieren? Die Antwort sind komplexe Algorithmen, die von findigen Programmierern der „Post“ erstellt wurden und nun zum Einsatz kommen.

 

Die Schaltzentrale, intern „The Hub“ genannt, ist das neue Herzstück der Post. Hier arbeiten Techniker an der Optimierung von Website und Apps. Im Fokus: Die Nutzerfreundlichkeit.

 

Doch damit nicht genug. Für den internen Ablauf erfanden die Programmierer ein eigenes Redaktionssystem, mit dessen Hilfe interne Tools wie u.a. „Bandito“ Stories neu vermarkten können.

 

„Bandito“ macht es den Journalisten der Post möglich, ihre Geschichten mit bis zu fünf verschiedenen Schlagzeilen zu veröffentlichen. Ein Algorithmus ermittelt nach Veröffentlichung die Variante, die bei den Lesern am besten ankommt.

 

Ein weiteres Tool mit dem Namen „Loxodo“ ermöglicht zudem Vergleiche von Reichweite und Klickzahlen zwischen Post-Artikeln und der Konkurrenz. Freiwillige Leser vergleichen im regelmäßigen Turnus anonymisierte Artikel von Post-Journalisten und Konkurrenzblättern und bewerten diese hinsichtlich ihrer Seriosität, Qualität und Leseeigenschaft. Dabei spielen auch Schreibstil und Anziehung eine Rolle.

 

Jeder Artikel wird mittlerweile als Instant Article veröffentlicht, Digital-Abos wurden zudem schnell in Amazons Prime-Service integriert. Zudem haben Bürger, Wissenschaftler und Politiker in der Rubrik „PostEverything“ die Möglichkeit Meinungsartikel zu veröffentlichen. Sie können journalistisch publizieren.

 

Lernen von der Post

 

Die Post verwandelte sich unter Jeff Bezos in ein technologisiertes Medienunternehmen, welches sich Online festsetzt, aber zugleich auch den traditionellen Printbereich weiter bedient.

 

Auch in Deutschland muss die Medienlandschaft, müssen vor allem die großen Verlagshäuser, umdenken. Websites, Apps, Instant Articles – sie alle bilden ein Konstrukt dessen Wert noch abzuschätzen ist. Jedoch ist davon auszugehen, dass die Klickrates der Zukunft eine eigene Währung werden könnten.


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