23. Mai 2016

Die gröbsten Schnitzer im Interview und wie Sie diese vermeiden können – Teil 2

Fehler 6: Labern, labern, labern

Der journalistische Mehrwert eines Artikels orientiert sich in der Regel am Informationsgehalt einer Nachricht. Je mehr Botschaften ein Printerzeugnis oder ein audio-visueller Beitrag enthält, desto größer der Mehrwert für Leser, Hörer und Zuschauer. Diese Faustregel ist seit jeher eines der Gesetze der Medien. Journalisten wollen keinesfalls mit Fachtermini oder langen Phrasen abgespeist werden. Sie wollen präzise und zugleich einfache Antworten auf ihre Fragen. Vermeiden Sie also Schachtelsätze und konzentrieren Sie sich auf das Wesentliche – nämlich Ihre Botschaften. So vermeiden Sie Fehlinterpretationen oder falsche Zitation und können zudem die Zeit-Ertrag-Korrelation in einem ausgewogenen Maße gestalten.

 

Fehler 7: Beeinflussung erfolgreich

Journalisten werden – insbesondere bei heiklen Themen – versuchen, Sie aus der Reserve zu locken. Ihnen sollen Sätze über die Lippen kommen, die so nicht gewollt und sogar kontraproduktiv für Ihre Botschaft sind. Treibt der Journalist dieses Spiel auf die Spitze, kann es passieren, dass er Ihnen Sätze in den Mund legt, die bei einer Bestätigung Einzug in das Interview finden. Ein einfaches Ja reicht in diesem Moment bereits aus, damit ein eigentlich vom Journalisten genannter Satz als Ihrer verkauft werden kann.

Grundsätzlich gilt: Lassen Sie sich nicht auf dieses Spiel sein. Sie sind Herr Ihrer eigenen Worte. Bleiben Sie bei Ihrem Wording, transportieren Sie positive Botschaften, spekulieren Sie nicht. Trotzdem müssen Sie die Contenance wahren. Bleiben Sie höflich, aber bestimmt. Zeigen Sie dem Journalisten, dass Sie sein Spiel durchschaut haben.

 

Fehler 8: Foto? Nein, Danke!

Gespräch schön und gut, denken Sie sich. Aber ein Foto? Nein, danke. Wollen Sie nicht fotografiert werden, so klären Sie den Journalisten frühzeitig auf. Am besten bereits beim anfänglichen Telefonat. Für einen Medienvertreter gibt es nichts Schlimmeres, als die gemachte Arbeit durch fehlendes Bildmaterial geschmälert zu bekommen. Seien Sie sich darüber im Klaren, dass der Fokus eines Interviews nicht nur auf den Themen, sondern auch auf Ihnen als Person liegt. Sie sind Gesprächspartner und zugleich Motiv des Bildes. Verzichten Sie also auf den Vorschlag andere Personen abzulichten. Der Journalist muss die Freiheit besitzen, sein Motiv selbst zu wählen. Machen Sie sich jedoch klar: Journalisten könnten das Interview canceln, wenn Sie nicht bereit sind, sich fotografieren zu lassen.

 

Fehler 9: Das schriftliche Interview auf die leichte Schulter genommen

Schwindende Personalkapazitäten und Zeitmangel führen dazu, dass mehr und mehr Journalisten auf das schriftliche Interview zurückgreifen. Zeigen Sie dafür Verständnis. Nehmen Sie das schriftliche Interview jedoch nicht auf die leichte Schulter. Es bietet Ihnen zwar den Vorteil, den Inhalt des Geschriebenen direkt selbst zu formulieren. Es verleitet jedoch auch dazu, vom einfachen Sprachgebrauch abzusehen. Versetzen Sie sich bei der Formulierung in den Journalisten und den Leser hinein. Versuchen Sie Ihre Antworten daher ebenfalls kurz, prägnant und einfach zu formulieren. Nutzen Sie den Vorteil und ziehen Sie weitere Personen hinzu, die Ihnen bei der Beantwortung der Fragen helfen können.

 

Fehler 10: Schriftliches Interview gesendet und fertig…

Viele Interviewte machen den Fehler anzunehmen, dass das Zusenden Ihres schriftlichen Interviews das Ende der Kommunikation bedeutet. Doch dem ist nicht so. Wir allen kennen das Problem: Wir sind „Fachidioten“. Wir nutzen Fachtermini aus unserem alltäglichen Sprachgebrauch. Selbst ein mit Adleraugen gelesener Text kann Wörter enthalten, die für den Journalisten und später für den Leser irreführend sein können. Sie müssen also damit rechnen, dass die von Ihnen gewählte Wortwahl nochmalig vom Journalisten verändert wird. Bitten Sie Ihren Gesprächspartner also selbst bei einem schriftlichen Interview darum, den Text im Falle von inhaltlichen Änderungen zur Freigabe zu erhalten. Im Sinne einer guten zukünftigen Zusammenarbeit zwischen Ihnen und dem Journalisten wird dieser der Bitte in der Regel folgen.

 

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