17. Januar 2018

Deutschland ohne Regierung – Die Arbeit eines Public Affairs Managers geht weiter!

Einhundertfünfzehn Tage sind seit der Bundestagswahl 2017 verstrichen. Das ist fast ein Drittel eines ganzen Jahres. Oder: Fast 10 Prozent der gesamten Legislaturperiode. Wie man es auch dreht und wendet: Noch immer fehlt Deutschland eine vollständig handlungsfähige Regierung. Für einen Public Affairs Manager ist das eine lange Zeit ohne Futter und ohne Verbindlichkeit. Geradezu gierig stürzten sich Ihresgleichen am vergangenen Freitag auf das immerhin achtundzwanzigseitige Sondierungspapier der „Sondierer“. Wie soll das Arbeiten der Zukunft geregelt werden? Wie soll die  Energiewende mit einem akuten Bedarf an bezahlbarer Energie in Einklang gebracht werden? Quo vadis „Digitalisierung“? Und: Quo vadis Deutschland?

 

Da sowohl die Legislative als auch die Exekutive (hier sind neben den Ministern auch die Mitarbeiter der Ministerien auf Arbeitsebene gemeint) nicht über die künftige Stoßrichtung Bescheid wissen, können neue Gesetze nicht implementiert werden – und bereits beschlossene Gesetze werden z.T. nicht mehr mutig & konsequent umgesetzt. Wir sind mitten in der Katharsis, im demokratischen Niemandsland. Wohin also?

 

Aber: Jammern hilft uns hier nicht weiter. Wir geben stattdessen lieber vier einfache Tipps für die Arbeit eines Public Affairs Managers in der aktuellen Gemengelage.

 

Tipp 1: Lassen Sie Ihre bereits gepflegten Kontakte nicht abreißen.

 

Der Tipp ist sehr offensichtlich, er erscheint geradezu überflüssig. Warum sollte man auch Kontakte abreißen lassen? Die Gefahr besteht aktuell aber durchaus: Zu alten Koalitionszeiten gab es schlichtweg mehr Anlässe, um mit den politischen Stakeholdern in Kontakt zu treten. Zum Beispiel ein neuer Gesetzentwurf, der verbesserungswürdig erschien. Es war ein willkommener Anlass für Sie, aktiv zu werden. Das ist gegenwärtig anders. Dennoch: Versuchen Sie, den Kontakt weiterhin zu pflegen. Oder drehen Sie die Logik sogar um: Jetzt bietet sich für Sie die Chance, mal abseits akuter Anlässe über die größere Vision ihres Unternehmens oder Verbands zu sprechen. Legen Sie den Grundstein für ein tieferes Verständnis, für das im späteren Alltagsgeschäft nur wenig Zeit vorhanden sein wird.

 

Tipp 2: Stellen Sie den Kontakt zu Ihren neuen politischen Stakeholdern her.

 

Zugegeben: Noch ist unklar, wie sich Ausschüsse des Bundestags zusammensetzen werden: Wer wird was? Wer ist „rising star“, wer ist „lame duck“? Ebenso wenig kennen Sie die für Sie wichtigen Mitarbeiter der Fraktionen. Sehr wohl kennen Sie aber die Abgeordneten Ihrer Region. Zögern Sie nicht, warten Sie nicht die Regierungsbildung ab, sondern stellen Sie Kontakt her. Sie haben gegenüber den neuen MdBs – den Interessenvertretern der Bevölkerung – vielmehr die Verantwortung, über Ihr Unternehmen oder Ihren Verband sowie Ihre Aktivitäten zu informieren.  Dazu ist jetzt der richtige Zeitpunkt!

 

 

Tipp 3: Artikulieren Sie ihre Positionen – aber bleiben Sie realistisch.

 

Auch in der Zeit „der Vakanz“ finden Konferenzen, Parlamentarische Abende oder persönliche Treffen statt, bei denen Sie in Kontakt mit Ihren politischen Stakeholdern kommen. Selbstverständlich dürfen Sie Ihre Belange formulieren. Der Gestaltungsspielraum, den die Politik momentan hat, wird aktuell aber von Fall zu Fall unterschiedlich sein. Schätzen Sie ihn realistisch ein. Überlegen Sie, ob Sie aktuell besser damit beraten sind, lediglich erneut über Ihre Positionen zu informieren – oder ob Sie nachdrücklich eine rasche Umsetzung fordern können.

 

Tipp 4: Holen Sie nach, was Sie bislang nicht geschafft haben.

 

Über viele Monate hinweg haben Sie dafür gearbeitet, endlich ein abgestimmtes Positionspapier zu einem wichtigen Thema vorliegen zu haben. Sie sind kurz vor dem Durchbruch, aber er ist noch nicht gelungen – weiterhin werden letzte Detailformulierungen ausdiskutiert. Machen Sie Ihren Kollegen stattdessen klar, dass Sie in der Zeit seit der letzten Wahl bereits eine Verlängerung der „Gnadenfrist“ erhielten. Sogar während der Sondierungen befassten sich die Fraktionen vor allem mit sich selbst und kreisten um die (Priorisierung der) eigenen Positionen. Sobald aber die Koalitionsverhandlungen beginnen, startet die Zeit des breiten, aktiven Aufladens mit Argumenten. Die Regierenden in spe brauchen Argumente und Informationen. Nutzen Sie also die Zeit, die Ihnen geschenkt wurde und sorgen Sie dafür, dass Ihre Stakeholder zum richtigen Zeitpunkt sprachfähig sind.


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