29. Dezember 2016

Der obligatorische Jahresrückblick

2016 war, vorsichtig formuliert, ein ereignisreiches Jahr. Die USA haben einen neuen Präsidenten gewählt, dem nur sehr wenige Kommentatoren im Vorfeld ernsthafte Chancen eingeräumt hatten; in Österreich konnte sich der grüne Kandidat Alexander van der Bellen gegen den Rechtspopulisten Norbert Hofer bei der Wahl zum Bundespräsidenten im zweiten Anlauf durchsetzen; in der Türkei scheiterte ein Putschversuch gegen Präsident Erdogan und der islamistische Terror hat Deutschland erreicht.

 

Nicht zuletzt sind in diesem Jahr mit David Bowie, Alan Rickman, Prince, Guido Westerwelle, Bud Spencer, Walter Scheel, George Michael und erst vorgestern Carrie Fischer eine Vielzahl Prominenter verstorben. Welche Lehren kann man also aus so einem Jahr ziehen?

 

 

  1. Meinungsumfragen scheinen an Aussagekraft zu verlieren und sind daher mit Vorsicht zu genießen. Ob bei der Präsidentschaftswahl in den USA oder bei den Landtagswahlen in Rheinland-Pfalz: die Ergebnisse von Meinungsumfragen haben an Aussagekraft verloren. Im Vorfeld der Debatten der republikanischen Kandidaten hatte fast niemand Zweifel daran, dass Donald Trump frühzeitig aus dem Feld der Kandidaten ausscheiden und Jeb Bush die republikanische Partei gegen Hillary Clinton in den Wahlkampf führen würde. Doch Trump setzte sich nicht nur gegen alle Mitbewerber seiner eigenen Partei durch, letztlich schlug er sogar die schon fast als sichere Siegerin geltende Clinton. In Rheinland-Pfalz sahen 25 von 28 über den Zeitraum von zwei Jahren erhobene Umfragen die CDU von Julia Klöckner teilweise um bis zu 13 Prozent vor der SPD. Bei den Wahlen jedoch konnte die SPD ein fast 5 Prozent höheres Ergebnis als die CDU einfahren.

 

  1. Der klassische Journalismus steckt in einer tiefen Vertrauenskrise. In einer Zeit, in der die Verbreitung von Stimmungen und Gefühlslagen über soziale Medien immer weiter zunimmt, sieht sich der Journalismus neuen Gegnern gegenüber: Fake News und Social Bots, die automatisiert Stimmungen in sozialen Netzwerken schüren und verbreiten. Nicht ohne Grund wurde „postfaktisch“ zum Wort des Jahres 2016 gekürt. Während sich seriöse Medien immer häufiger dem Vorwurf ausgesetzt sehen, fremdgesteuert oder parteiisch zu berichten, verbreiten sich gefälschte Nachrichtenmeldungen wie Lauffeuer. Deren Eindämmung gestaltet sich schwierig. Zum einen, weil eben die Medien, deren Aufgabe es wäre sie richtig zu stellen, oft nicht in die Filterblasen der Fake News – Konsumenten vordringen können. Zum anderen weil es den sozialen Netzwerken lange Zeit an einer befriedigenden Strategie zur Bekämpfung der Falschmeldungen gefehlt hat. Journalisten müssen also in Zukunft nicht nur für Ihre eigenen Berichte nach der Wahrheit suchen – sie müssen auch noch die bewussten Manipulationen anderer aufdecken und diese Wahrheiten verteidigen. Es steht zu erwarten, dass Journalisten in Zukunft ihre Quellen noch gründlicher prüfen werden, um sich abzusichern.

 

  1. Krisenkommunikation kann auch bei schlimmsten Ereignissen gelingen. Das Bespiel des Amoklaufs in München zeigt, dass auch chaotischste Situationen noch lange kein Grund für eine chaotische Kommunikation sind. Markus da Gloria Martins Arbeit als Pressesprecher der Münchner Polizei wurde vollkommen zu Recht durch alle Medien hinweg gelobt. Unbeeindruckt vom Ansturm an Fragen und der anfänglichen Unüberschaubarkeit der Lage tat da Gloria Martins das einzig Richtige: Er beruhigte, ohne zu beschönigen, gab nur gesicherte Informationen weiter, unterband jedwede Spekulation und wurde somit zum vertrauenswürdigen Gesicht der Polizei.

 

Auch 2017 wird Kommunikatoren wieder vor eine Vielzahl von Herausforderungen stellen. Großereignisse wie die Bundestagswahl oder die Wahl des Bundespräsidenten werfen bereits ihre Schatten voraus. Es ist zu wünschen, dass die Anpassung an eine veränderte Kommunikations- und Medienlandschaft gelingt. In diesem Sinne: Alles Gute für das neue Jahr 2017.


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