27. August 2010

Der letzte Schrei? Anzeigenkampagne der Atomwirtschaft

Die Manager der vier großen Energieversorgungsunternehmen (EVU) haben sich – gemeinsam mit weiteren Wirtschaftsvertretern, Ex-Politikern und Prominenten – in einer groß angelegten Anzeigenkampagne („Energiepolitischer Appell“) gegen die geplante Brennelemente-Steuer und für die Verlängerung der Laufzeiten der Kernkraftwerke ausgesprochen. Das ist ihr gutes Recht, denn Anzeigenkampagnen zur Einwirkung auf die Politik sind nichts Neues und völlig legitim.

Neu ist allerdings ihr Duktus. Und damit laufen die Initiatoren im momentan sensiblen Umfeld der energiepolitischen Diskussion gänzlich ins Leere. Denn ein geradezu medialer Aufschrei begeleitet die Veröffentlichung des Appells. Dieser trägt nicht, wie von den Initiatoren intendiert, zu einer Versachlichung der Debatte bei. Der Appell wird vorwiegend unter dem Motto diskutiert „Wer regiert hier eigentlich?“. Milliardenschwere Konzerne, so der Eindruck, sagen mal flugs, wie sie es gerne hätten. Dann braucht man sich um die Zukunftsfähigkeit des Standorts Deutschland auch keine Sorgen mehr machen.

Dass in einer solch aufgeladenen Atmosphäre alphamännchenartige Gegenreaktionen auch von der Frau Bundeskanzlerin nicht ausbleiben, war zu erwarten. So stellt sie – nach einigen Tagen der öffentlichen Diskussion – klar: „Wenn irgendetwas in Richtung einer Drohung oder eines Gepresstwerdens führt, dann führt das bei mir meistens zu einer totalen Gegenbewegung.“ Klar: Als alte Physikerin weiß sie: Druck erzeugt Gegendruck!

Es drängt sich daher mehr und mehr der Eindruck auf, dass die Anzeige eher einem wütenden Gefühl denn einer strategisch angelegten Kommunikation entspringt. Haben die Energiebosse nicht mehr den heißen Draht ins Kanzleramt und müssen sich daher anderer Kommunikationsmittel bedienen? Dabei haben die großen EVUs aber unterschätzt, dass sie die Bundesregierung ab sofort unter absolute Beobachtung gestellt haben: Jede Entscheidung zum energiepolitischen Konzept wird öffentlich vor dem Hintergrund des Appells bewertet werden. Damit könnte sich der Aufschrei für die Branche als Bärendienst erweisen.


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