31. August 2010

Das Phänomen Sarrazin – Medienzampano oder PR-Profi?

Das unabwendbare Sommerloch kehrt wieder – eine gute Zeit, um ein neues Buch zu präsentieren. So dachte wohl Thilo Sarrazin, Noch-Vorstand der Deutschen Bundesbank und Noch-SPD-Mitglied. Die Serie von Auszügen seines neuen Buches „Deutschland schafft sich ab“ in der BILD-Zeitung hat für einen Sturm der Empörung gesorgt.

Explosivität pur schlägt einem entgegen, wenn da die Rede ist von “Verdünnung der einheimische Bevölkerung“. Darf man so was sagen? Man darf – schließlich wird fast jede Äußerung durch das Grundrecht der Meinungsfreiheit geschützt. Die Frage muss anders gestellt werden: Kann man so etwas sagen?

Sarrazin hat für sich entschieden: Man kann. Schonungslos und offen. So offen aber, dass er die selbstzerstörerische Kraft seines medialen Experiments wohl überschätzt hat.

Erinnern wir uns: Thilo Sarrazin hatte bereits vor einiger Zeit in seiner Funktion als Finanzsenator in Berlin mit markigen Worten auf sich aufmerksam gemacht „Wenn die Energiekosten so hoch sind wie die Mieten, werden sich die Menschen überlegen, ob sie mit einem dicken Pullover nicht auch bei 15 oder 16 Grad Zimmertemperatur vernünftig leben können.“

Beflügelt durch die mediale Aufmerksamkeit, die ihm entgegen schlug und trotz harscher Kritik drang zunehmend auch Bewunderung durch „endlich traut sich mal jemand Unbequemes auszusprechen“. Selbst Helmut Schmidt hatte inhaltlich nicht grundsätzlich etwas auszusetzen – wenn sich Sarrazin denn etwas „tischfeiner“ ausgedrückt hätte.

Sarrazin gefällt sich in seiner Rolle als Tabubrecher – weitere Interviews und weitere Skandale folgen. Zuspitzung von Botschaften, eckige und kantige Worte, so wohl die Erkenntnis, seien die richtige Mixtur für den Weg in die Medien. So einfach ist PR. Also dachte Sarrazin, könne er noch eine Schippe zu legen.

Seine neueste Provokation – „Alle Juden teilen ein bestimmtes Gen (…)“ – hat das Fass nun zum Überlaufen gebracht. Wo bisher Grenzen des Sagbaren angetastet wurden, hat Herr Sarrazin nun eine sehr empfindliche Barriere durchbrochen.

Um es auf den Punkt zu bringen: Sarrazin hat sich selbst verbrannt. Wer trotz Zuspitzung und Mut zur Wahrheit, die Kraft der Worte und Gedanken in seiner Wirkung nicht richtig einschätzt, hat die Folgen selbst zu verantworten.

Sarrazin hat sich verrannt. Er steht nunmehr als Geächteter da.


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