20. April 2011

Bonn 21 – Bürgerprotest aus Wehmut

Zu teuer, zu laut, zu gefährlich, zu unökologisch, zu störend – so klingen typische Argumente zahlreicher Bürgerinitiativen, die gegen Flughäfen, Bahnhöfe oder Windräder mobil machen. Wenn man aber den Fokus nicht auf Stuttgart und Berlin sondern auf Bonn richtet, dann erlebt man Bürgerprotest einmal anders.
Beethovenstadt, UN-Stadt, Bundesstadt und Hauptstadt a.D. – Bonn hat viele Synonyme. Bald vielleicht eines mehr. „Beethoven 21“, dieser Titel eines Spiegelartikels umschreibt eine Situation mit Wiedererkennungseffekt: Bürger protestieren gegen ein Bauprojekt.

 

Die Beethovenhalle – ein Relikt aus der Bonner Republik – ist dringend renovierungsbedürftig, darüber ist man sich weitestgehend einig. Dass die Beethovenstadt ein vorzeigbares Konzerthaus benötigt, gerade im Hinblick auf die anstehende „Beethoven-Dekade“ (2020 250. Geburtstag / 2027 200. Todestag), ist ebenso eindeutig.

 

In dieser Situation machten die in Bonn ansässigen Unternehmen Deutsche Telekom, die Deutsche Post und die Postbank der Stadt Bonn ein Angebot, welches man eigentlich nicht ablehnen kann: Sie wollen ein neues und modernes Festspielhaus schenken.

 

Unglaublich, sensationell, toll – diese Reaktionen hatten sich die Bonner Großunternehmen wohl verständlicherweise ausgemalt. Dass sich hieraus aber ein verbissener Streit unter den Bürgern entwickelt, pro und contra Beethovenhalle, das ist erstaunlich. Der Haken an der Sache: Um ein neues Konzerthaus – geschenkt oder nicht – zu errichten, müsste die 1959 erbaute und unter Denkmalschutz stehende Beethovenhalle abgerissen werden.

 

Ein Protest, der sich nicht gegen die anfallenden Kosten richtet, die der Stadt an anderer Stelle fehlen würde. Ein Widerstand, der nicht das persönliche Wohlbefinden im trauten Heim tangiert. Gegner, die weder Umweltschutz noch Sicherheitsempfinden im Sinn haben.

 

„Beethoven 21“ ist ein Bürgerprotest in wehmütiger Erinnerung an vergangene Zeiten. Die Beethovenhalle sei ein „authentisches Zeugnis für die Zeit Bonns als Bundeshauptstadt“, so eines der Argumente gegen einen Neubau. Walter Scheel, Schirmherr des Vereins ProBeethovenhalle, erinnert sich an die Zeit, wo er in der Beethovenhalle zum vierten Bundespräsidenten gewählt wurde. Dagegen hat das Sponsoring-Projekt von der Deutschen Post und Co. keine Chance.

 

Müssen sich Unternehmen künftig darauf gefasst machen, dass nicht nur industrielle Bauvorhaben oder andere Großprojekte am Widerwillen des Volkes scheitern? Sind nun auch Geschenke, die Stadt und Bürger entlasten, die die Wirtschaft ankurbeln, ein Risikogeschäft?

 

Trotz aller Sympathie für die Bonner Empathie – aber deswegen ein Geschenk in Millionenhöhe ablehnen? Da hilft nur noch ein altes Sprichwort weiter: „Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul.“


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