14. Oktober 2010

Auge um Auge, Anzeige um Anzeige

Der Solarbranche geht es derzeit an den Kragen oder besser gesagt: an die Fördertöpfe. Deshalb startete die Europäische Vereinigung für Erneuerbare Energien e.V. unter dem Titel „Erneuerbare Energien brauchen keine Brücken“ eine Kampagne.

 

Zentrales Instrument: ganzseitige Textanzeigen in überregionalen Zeitungen, um für die Branche zu werben. Und um gegen die Laufzeitverlängerungen der Atomkraftwerke zu protestieren, die den Ausbau der Erneuerbaren Energien zumindest verzögerten.

 

Im Anzeigentext folgen politische Forderungen, die man eher in einem Positionspapier als in einer Anzeige erwartet. Unterzeichner: MdBs, Professoren, Unternehmer & Co – manche durchaus mit wirtschaftlichem Eigeninteresse.

 

Erinnern wir uns ein paar Wochen zurück. Über die Laufzeitverlängerungen war noch nicht entschieden. Der Vertrag zwischen Bundesregierung und Energiekonzernen war noch nicht unterzeichnet.

 

Auch damals schmückten ganzseitige Textanzeigen die überregionalen Tageszeitungen. Der Appell von Spitzenmanagern und Prominenten: Keine Belastung der Energiebranche und eine deutliche Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke.
Dass die Solarbranche nun das gleiche Mittel wählt, hinterlässt den Eindruck einer schlechten Kopie. Fairerweise muss man sagen, dass Textanzeigen laut der Internetseite des Verbands schon seit 10 Jahren zu den „öffentlichkeitswirksamen“ Mitteln der Verbandskommunikation zählen.
Trotzdem: Kommunikation muss veränderten Rahmenbedingungen Rechnung tragen. Es mutet für den Leser seltsam an, dass die Solarbranche nun scheinbar die gleichen Mittel benutzt wie die Befürworter der Atomenergie. Fast beleidigt wirkt es, dass etwa in kleinster Schriftgröße mehr Befürworter aufgeführt werden als es die Energiekonzerne in Ihrer Anzeige getan haben.
Von einer jungen und dynamischen Branche erwartet der Beobachter mehr: eine kreative Form des Protests und keine hausbackene Anzeigenkampagne. Die Begriffe Sonne und Energie bieten doch starke Symbole für Kampagnen und Aktionen.
Leider wurde diese Chance nicht genutzt. Die Anzeigenkampagne fand folglich keinen großen Widerhall in Medien und Öffentlichkeit. Schade eigentlich. Ein selbstbewusstes „Wir lassen uns von der Atomenergie nicht in den Schatten stellen“ wäre vielleicht ein Ansatz für eine selbstbewusste und öffentlichkeitswirksamere Kampagne gewesen.
Oder mit einem etwas größerem Augenzwinkern: „Bei uns strahlt nur die Sonne.“


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