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Stuttgart 21 demnächst auch Hannover 21, Berlin 21, Hamburg 21?
Wir befinden uns im Jahr 2010 nach Christus. Ganz Deutschland ist von Großunternehmen und Industrie besetzt. Ganz Deutschland? Nein! Ein von unbeugsamen Schwaben bevölkertes Dorf hört nicht auf, den Eindringlingen Widerstand zu leisten…
So wie die Geschichte von Asterix und Obelix beginnt, könnte man in ferner Zukunft rückblickend auch über Stuttgart 21 berichten. Dann wird in den Geschichtsbüchern vielleicht das gelehrt, was der Wirtschaftshistoriker Werner Abelshauser als die Ursache für den Untergang der Industrie – exemplarisch durchgeführt am Projekt Stuttgart 21 – ausmacht. Aber liegt er richtig?
Abelshauser ist der Meinung, dass die Stuttgarter Proteste nicht dem üblichen Muster entsprechen. Grundsätzlich gehe es nicht um Technikfeindlichkeit und auch nicht um Bürger, die Industrieprojekte vor ihrer Haustüre bekämpfen.
Weiterhin, so der Erklärungsversuch des Wirtschaftshistorikers, gäbe es wohl auch eine typisch schwäbische Mentalität. Im Südwesten sei der Untertanengeist traditionell schwach ausgeprägt, so die Analyse. Dafür die Sparsamkeit und der Sinn für vernünftige Proportionen umso mehr.
Die sparsamen Schwaben regten sich stellvertretend für alle Steuerzahler über die explodierenden Kosten des Projektes auf, so seine These. Im Umkehrschluss hieße dies, dass Stuttgart 21 eben nur im Schwabenland vorkommen kann, weil deren Mentalität eine solche Protestkultur fördere, so der kommunikationsspezifische Rückschluss.
Das würde bedeuten, dass Stuttgart 21 eben nicht ein Stellvertreterkrieg für alle Industrieprojekte und Infrastrukturmaßnahmen darstellt, sondern lediglich eine kultur- und regionsspezifische Mentalitätsfrage sei.
Dieser Abelshauserschen These muss aber vehement widersprochen werden. Denn: Stuttgart 21 ist überall. Seien es Kohlekraftwerke, Flugbahnverlängerungen, Trassenführungen unterirdischer Pipelines, der Ausbau des Stromnetzes, Müllverbrennungsanlagen oder die Flächenerweiterung eines Freizeitparks – überall regt sich Widerstand.
Die neue Lust an der demokratischen Protestkultur zeigt sich allerorten. Stuttgart 21 ist eben auch möglich in Düsseldorf, Köln, München und anderen Städten.
Unsere Gesellschaft und die Sozialisierung kritischer und mündiger Bürger verlangt nahezu nach kritischen Auseinandersetzungen mit Investitionsprojekten. Medien greifen diese Stimmung auf, skandalisieren und treiben eine Empörungsdebatte an.
NGOs flankieren mit Fachwissen und professioneller Kampagnenführung. Unternehmen sind häufig überfordert, weil sie sich auf den rechtlichen Rahmen zurückziehen und der Meinung sind, dass alles Erforderliche getan wurde. Dabei unterschätzen sie die hohe Emotionalität des Bürgers, wenn ein Projekt allem Anschein nach „unter Ausschuss der Öffentlichkeit“ durchgewunken wird.
Dabei sind gerade mal drei bis fünf Prozent der Bevölkerung aktiv gegen Industrieprojekte. Die große Mehrheit schweigt zu diesem Thema. Hier gibt es genügend Potenzial, Befürworter und Unentschlossene sowohl über Sachargumente als auch über emotionale Überzeugungsarbeit anzusprechen und für ein Projekt zu gewinnen. Das setzt allerdings eine frühzeitige und umfangreiche Kommunikationsoffensive zu kritischen Industrieprojekten voraus.
Stuttgart 21 ist kein Einzelfall – das Phänomen der bürgerbewegten Protestkultur wird hier lediglich exemplarisch ausgetragen. Investor, Projekt und Region sind fast beliebig austauschbar.
Diese Entwicklung ist für Unternehmen relevant. Die Kommunikation mit Anspruchsgruppen – auch den kritischen – ist kein notwendiges Übel, sondern ein Muss. Der Trend einer kritischen Bürgerwehr nimmt zu. Bürgerbegehren versprechen mehr Demokratie.
So wie die Geschichte von Asterix und Obelix beginnt, könnte man in ferner Zukunft rückblickend auch über Stuttgart 21 berichten. Dann wird in den Geschichtsbüchern vielleicht das gelehrt, was der Wirtschaftshistoriker Werner Abelshauser als die Ursache für den Untergang der Industrie – exemplarisch durchgeführt am Projekt Stuttgart 21 – ausmacht. Aber liegt er richtig?
Abelshauser ist der Meinung, dass die Stuttgarter Proteste nicht dem üblichen Muster entsprechen. Grundsätzlich gehe es nicht um Technikfeindlichkeit und auch nicht um Bürger, die Industrieprojekte vor ihrer Haustüre bekämpfen.
Weiterhin, so der Erklärungsversuch des Wirtschaftshistorikers, gäbe es wohl auch eine typisch schwäbische Mentalität. Im Südwesten sei der Untertanengeist traditionell schwach ausgeprägt, so die Analyse. Dafür die Sparsamkeit und der Sinn für vernünftige Proportionen umso mehr.
Die sparsamen Schwaben regten sich stellvertretend für alle Steuerzahler über die explodierenden Kosten des Projektes auf, so seine These. Im Umkehrschluss hieße dies, dass Stuttgart 21 eben nur im Schwabenland vorkommen kann, weil deren Mentalität eine solche Protestkultur fördere, so der kommunikationsspezifische Rückschluss.
Das würde bedeuten, dass Stuttgart 21 eben nicht ein Stellvertreterkrieg für alle Industrieprojekte und Infrastrukturmaßnahmen darstellt, sondern lediglich eine kultur- und regionsspezifische Mentalitätsfrage sei.
Dieser Abelshauserschen These muss aber vehement widersprochen werden. Denn: Stuttgart 21 ist überall. Seien es Kohlekraftwerke, Flugbahnverlängerungen, Trassenführungen unterirdischer Pipelines, der Ausbau des Stromnetzes, Müllverbrennungsanlagen oder die Flächenerweiterung eines Freizeitparks – überall regt sich Widerstand.
Die neue Lust an der demokratischen Protestkultur zeigt sich allerorten. Stuttgart 21 ist eben auch möglich in Düsseldorf, Köln, München und anderen Städten.
Unsere Gesellschaft und die Sozialisierung kritischer und mündiger Bürger verlangt nahezu nach kritischen Auseinandersetzungen mit Investitionsprojekten. Medien greifen diese Stimmung auf, skandalisieren und treiben eine Empörungsdebatte an.
NGOs flankieren mit Fachwissen und professioneller Kampagnenführung. Unternehmen sind häufig überfordert, weil sie sich auf den rechtlichen Rahmen zurückziehen und der Meinung sind, dass alles Erforderliche getan wurde. Dabei unterschätzen sie die hohe Emotionalität des Bürgers, wenn ein Projekt allem Anschein nach „unter Ausschuss der Öffentlichkeit“ durchgewunken wird.
Dabei sind gerade mal drei bis fünf Prozent der Bevölkerung aktiv gegen Industrieprojekte. Die große Mehrheit schweigt zu diesem Thema. Hier gibt es genügend Potenzial, Befürworter und Unentschlossene sowohl über Sachargumente als auch über emotionale Überzeugungsarbeit anzusprechen und für ein Projekt zu gewinnen. Das setzt allerdings eine frühzeitige und umfangreiche Kommunikationsoffensive zu kritischen Industrieprojekten voraus.
Stuttgart 21 ist kein Einzelfall – das Phänomen der bürgerbewegten Protestkultur wird hier lediglich exemplarisch ausgetragen. Investor, Projekt und Region sind fast beliebig austauschbar.
Diese Entwicklung ist für Unternehmen relevant. Die Kommunikation mit Anspruchsgruppen – auch den kritischen – ist kein notwendiges Übel, sondern ein Muss. Der Trend einer kritischen Bürgerwehr nimmt zu. Bürgerbegehren versprechen mehr Demokratie.
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