
3
Evangelische Kirche zeigt sich weltlich: Energie jetzt auch ein Thema
Der gerade neu gewählte Rats-Vorsitzende der EKD, Präses Nikolaus Schneider, hatte sich kürzlich in einem Interview mit der Rheinischen Post zu den Themen geäußert, die für die Evangelische Kirche in Deutschland wichtig seien.
Demnach wolle sich Präses Schneider zunehmend auch weltlichen Dingen widmen. Wie im Interview nachzulesen ist, wolle die Kirche das Gespräch mit Gott und die Alltagsprobleme der Menschen miteinander verbinden. Dazu gehöre neben der Bildung und Integration auch das Thema Energiepolitik.
Er wäre sogar selbst nach Gorleben gefahren, wenn er es zeitlich geschafft hätte. Zwar nicht als Demonstrant, aber als Pastor, der diese Form des Protestes unterstütze.
Ein Aspekt, den auch Grünen-Chefin Claudia Roth bei Maybritt Illner im Disput mit Eon-Vizechef Ralf Güldner zu Nutzen wusste: Dort nämlich zitierte sie Schneider mit dem Hinweis, dass nun auch die Kirche gegen Atomkraft sei und das Thema Energie als so wichtig erachte.
Sie nutzte damit die Einlassung von Präses Schneider in einer Positionierungsdebatte gegen Atomkraft. Ein zulässiger Vorgang? Herr Güldner jedenfalls platzte darauf hin los: „Das geht den doch gar nix an!“. Hat er damit recht?
Wie dem auch sei – es erstaunt schon, dass sich die Kirche nunmehr in die Energiedebatte eingreift. Sind der Kirche ihre eigenen Themen ausgegangen? Passt eigentlich eine Debatte über die zukünftige Energieversorgung in den kirchlichen Kontext?
Für die Befürworter von Atomkraft und konventionellen Kohlekraftwerken wird die öffentliche Diskussion dadurch sicherlich nicht leichter. Im Gegenteil, wenn sich nunmehr die Kirche auch dieses Themas annimmt, wann können wir erwarten, dass sich der Ärztebund oder die Hochschulrektorenkonferenz ebenfalls in diese Debatte einschaltet. Einer sachlichen und fundierten Auseinandersetzung mit konkreten Inhalten hilft dies jedenfalls nicht.
Für die Kommunikation von Unternehmen – insbesondere von denen, die mit kritischen Themen umgehen – hat dies in zweierlei Hinsicht Relevanz: Themen, die bislang auf Fachebene erörtert wurden, werden zunehmend über neue, kritische gesellschaftliche Einflussgruppen diskutiert.
Dies ist auch gutes Recht einer demokratischen Zivilgesellschaft. Zum anderen wird es immer schwerer, mit Zahlen, Fakten und Sachargumenten den emotionalen Bildern, die als Nährboden für eine Angstdebatte dienen, entgegenzutreten.
Unternehmen sollten sich, so mein Rat, Gedanken darüber machen, wie sie ihre Sachargumentation emotional hinterlegen können. Emotionen sollten grundsätzlich mehr in den Fokus rücken. Schließlich geht es um die Organisation von Wahrnehmung für ihre eigenen Anliegen. Keine leichte Aufgabe, die auch Mut erfordert, dennoch eine lösbare.
Ach ja, halten Sie es für richtig, dass sich die Evangelische Kirche nunmehr auch zur energiepolitischen Themen äußert?
Demnach wolle sich Präses Schneider zunehmend auch weltlichen Dingen widmen. Wie im Interview nachzulesen ist, wolle die Kirche das Gespräch mit Gott und die Alltagsprobleme der Menschen miteinander verbinden. Dazu gehöre neben der Bildung und Integration auch das Thema Energiepolitik.
Er wäre sogar selbst nach Gorleben gefahren, wenn er es zeitlich geschafft hätte. Zwar nicht als Demonstrant, aber als Pastor, der diese Form des Protestes unterstütze.
Ein Aspekt, den auch Grünen-Chefin Claudia Roth bei Maybritt Illner im Disput mit Eon-Vizechef Ralf Güldner zu Nutzen wusste: Dort nämlich zitierte sie Schneider mit dem Hinweis, dass nun auch die Kirche gegen Atomkraft sei und das Thema Energie als so wichtig erachte.
Sie nutzte damit die Einlassung von Präses Schneider in einer Positionierungsdebatte gegen Atomkraft. Ein zulässiger Vorgang? Herr Güldner jedenfalls platzte darauf hin los: „Das geht den doch gar nix an!“. Hat er damit recht?
Wie dem auch sei – es erstaunt schon, dass sich die Kirche nunmehr in die Energiedebatte eingreift. Sind der Kirche ihre eigenen Themen ausgegangen? Passt eigentlich eine Debatte über die zukünftige Energieversorgung in den kirchlichen Kontext?
Für die Befürworter von Atomkraft und konventionellen Kohlekraftwerken wird die öffentliche Diskussion dadurch sicherlich nicht leichter. Im Gegenteil, wenn sich nunmehr die Kirche auch dieses Themas annimmt, wann können wir erwarten, dass sich der Ärztebund oder die Hochschulrektorenkonferenz ebenfalls in diese Debatte einschaltet. Einer sachlichen und fundierten Auseinandersetzung mit konkreten Inhalten hilft dies jedenfalls nicht.
Für die Kommunikation von Unternehmen – insbesondere von denen, die mit kritischen Themen umgehen – hat dies in zweierlei Hinsicht Relevanz: Themen, die bislang auf Fachebene erörtert wurden, werden zunehmend über neue, kritische gesellschaftliche Einflussgruppen diskutiert.
Dies ist auch gutes Recht einer demokratischen Zivilgesellschaft. Zum anderen wird es immer schwerer, mit Zahlen, Fakten und Sachargumenten den emotionalen Bildern, die als Nährboden für eine Angstdebatte dienen, entgegenzutreten.
Unternehmen sollten sich, so mein Rat, Gedanken darüber machen, wie sie ihre Sachargumentation emotional hinterlegen können. Emotionen sollten grundsätzlich mehr in den Fokus rücken. Schließlich geht es um die Organisation von Wahrnehmung für ihre eigenen Anliegen. Keine leichte Aufgabe, die auch Mut erfordert, dennoch eine lösbare.
Ach ja, halten Sie es für richtig, dass sich die Evangelische Kirche nunmehr auch zur energiepolitischen Themen äußert?
3 Kommentare
atomkraft_nein_danke
17. November 2010
17. November 2010
Es erstaunt keineswegs, dass sich die Kirche in umweltpolitische Debatten einmischt. Wie naiv oder unwissend sind Sie denn, Herr vom Hoff, dass Sie meinen, der Kirche sind die Themen ausgegangen, insbesondere dann, wenn sie sich für die Umwelt einsetzt? Dem Bewahren der Schöpfung und der Umgang der Menschen mit ihr widmet sich eine ganz besondere Geschichte. Sie steht in Genesis 1, 1ff.(Bibel). Vielleicht sollten Sie da erst mal nachlesen, bevor Sie vorschnell zu Ihrer absurden Feststellung gelangen.
Kai vom Hoff
18. November 2010
18. November 2010
Danke für den engagierten Hinweis. Wenn Sie genau lesen, habe ich das Thema unter dem Aspekt "Kommunikation und Energiedebatte"
untersucht. Den Bezug, den Sie vornehmen, stelle ich gar nicht her.
untersucht. Den Bezug, den Sie vornehmen, stelle ich gar nicht her.
atomkraft_nein_danke
8. Dezember 2010
8. Dezember 2010
Haben Sie ein Kommunikationsproblem, Herr vom Hoff?! Stellen Sie am Ende Ihres Artikels nicht eine eindeutige Frage? Darüber sollte doch wohl hier diskutiert werden?!
Kirche ist übrigens immer weltlich, und weil sie das ist, muss sie sich in gesellschaftspolitische Debatten unbedingt einmischen. Insbesondere dann, wenn es um Atomenergie geht, die unsere natürlichen Ressourcen bedroht und vernichtet (Tschernobyl).
Sie sollten von Ihren Radakteuren mehr Sorgfalt verlangen oder sie besser bezahlen.
Kirche ist übrigens immer weltlich, und weil sie das ist, muss sie sich in gesellschaftspolitische Debatten unbedingt einmischen. Insbesondere dann, wenn es um Atomenergie geht, die unsere natürlichen Ressourcen bedroht und vernichtet (Tschernobyl).
Sie sollten von Ihren Radakteuren mehr Sorgfalt verlangen oder sie besser bezahlen.

0
Wohin steuert die Neinsager-Republik?
Jetzt haben wir es auch noch schriftlich: Nach einer jüngsten Umfrage des Forschungsinstitutes Allensbach ist der bundesdeutsche Bürger zwar für den zügigen Ausbau der regenerativen Energien.

0
Schöne neue Arbeitswelt? Ein Pro & Kontra zu flexiblen Arbeitsmodellen
Anfang Februar wurde bekannt, dass der US-Konzern IBM in den nächsten Jahren in Deutschland ein neues ...
0
Lärm ist das neue Stuttgart 21

0
Trends 2012 in der Kommunikationsbranche
Der Jahreswechsel ist überfrachtet mit Rückblicken und Ausblicken aller Art – so auch in der Kommunikationsbranche.

0
Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht
Karl-Theodor zu Guttenberg will zurück. Zurück in die Politik, zurück in die Öffentlichkeit und zurück ins Rampenlicht.
1
Lange Nacht der Industrie – Notizen

1
Social Media - Wie es im Buche steht
0
Lange Nacht der Industrie – ein Erfahrungsbericht
Sicherheit, Arbeitsplätze und Umweltschutz – an diesen drei Themen waren die Besucher des Cargill-Werks in Krefeld besonders interessiert.

1
Die Deutsche Mittelschicht: Frustriert oder zufrieden?
„Die deutsche Mittelschicht: Zufrieden, engagiert und optimistisch“ – mit diesen Worten stellt die Gothaer Versicherung gemeinsam mit Forsa ihre neue Studie vor.
0
Das Verhältnis von PR und Journalismus einmal nüchtern betrachtet

0
Transparenz und Sympathie – wie viel Aussagekraft hat die neue Transparenzstudie?

0
Neue Ideen für Kampagnen und die Mehrfachverwertung
Über die Auftaktveranstaltung zur VKU Dachmarken-
kampagne 2011 haben wir bereits hier im Blog berichtet. ...
kampagne 2011 haben wir bereits hier im Blog berichtet. ...

0
Merkels Energiewende braucht Akzeptanzmanagement

0
Energiewende im Schweinsgalopp

0
Neue Ideen für Kampagnen

5
Bonn 21 – Bürgerprotest aus Wehmut

0
CCS kommt – oder doch nicht?
Die Bundesregierung hat das Gesetz zur unterirdischen Speicherung von Kohlendioxid (CO₂) beschlossen.

0
Was erlauben Fan? – Erleben wir nach dem Wutbürger jetzt den „Wutfan“?

1
Deutschland in Aufruhr

0
Alte Feindbilder pflegen – oder eine Chance geben?

0
Der Ausstieg vom Ausstieg vom Ausstieg….und die Folgen.

0
Ab in den Tank – das Kommunikationsdebakel um E10

1











