25. Februar 2013

Halte ich noch ein Webinar oder führe ich schon Selbstgespräche?

Vor wenigen Tagen habe ich für einen Kunden ein Webinar zum Thema Krisenkommunikation abgehalten. Ein Webinar, das ist ein Live-Seminar im Internet. Der Vortragende teilt seinen Desktop mit dem Publikum und zeigt eine Präsentation. Seine Stimme wird über ein Mikrofon am Computer oder die Telefonleitung parallel übertragen. Eigentlich eine feine Sache – gerade für große, internationale Konzerne: Alle Beteiligten sparen Zeit und Reisekosten, die Teilnehmerzahl ist unbegrenzt und im Gegensatz zu einem Webcast, also einer jederzeit abrufbaren Aufzeichnung, sind der Interaktivität nur wenige Grenzen gesetzt.

Soweit zur Theorie. In der Praxis musste ich leider erleben, dass die Einladung zum Webinar, einer ausgewiesenen Pflichtveranstaltung, von vielen Mitarbeitern als unverbindlicher Vorschlag verstanden wurde. „ Ist ja keine echte Veranstaltung, nur so eine Internetspielerei…“, schien die allgemeine Auffassung. Nachdem sich ungefähr ein Zehntel der eingeladenen Teilnehmer im virtuellen Seminarraum eingefunden hatten, freute ich mich trotzdem darauf, loszulegen.

Doch schon nach wenigen Sätzen wurde mir klar, was ich eigentlich hätte ahnen müssen: Als Vortragender bei einem Webinar begibt man sich in eine ziemlich absurde Situation. Ich hörte jetzt also nur noch meine eigene Stimme und deren mattes Echo – und das würde für 45 sehr lange Minuten so weitergehen. Die folgenden Dinge gingen mir in loser Reihenfolge durch den Kopf: Hören die mir überhaupt zu? Spreche ich zu schnell? Zu langsam? Zu leise? Würden die mir das sagen oder trauen die sich nicht? Spielen die alle schon Solitär oder – noch schlimmer – haben mich auf stumm geschaltet und telefonieren nebenbei auf der anderen Leitung? Ist die Technik längst zusammengebrochen nur ich kriege es nicht mit? Darum heißt es also, manchmal könne man sich in großer Gesellschaft am einsamsten fühlen.

Auch Kollegen, die ahnungslos an meinem Schreibtisch vorbeigingen, staunten: „Jetzt spricht sie schon mit sich selbst. Auf Englisch. Wunderlich.“ Wie dankbar ich war, als der theoretische Teil der Veranstaltung vorbei war und wir zum interaktiven Part, einer Reihe Quizfragen zu den eben gehörten Inhalten, kamen. Nur leider: Entweder hatte ich meine Teilnehmer eingeschläfert oder mir hatte tatsächlich niemand zugehört – auch die Antworten auf meine Quizfragen musste ich mir jedenfalls selbst geben. Zum Glück war ich zu diesem Zeitpunkt im Führen von Selbstgesprächen ja reichlich geübt…

Was ich aus meinem kuriosen Erlebnis gelernt habe:

  • Unternehmen setzen immer mehr auf den virtuellen statt den physikalischen Seminarraum. Noch ist aber nicht bei allen Mitarbeitern angekommen, dass Veranstaltungen im Web genauso ernst gemeint sind. In diesem Punkt haben die Unternehmen Nachholbedarf.
  • Nach Möglichkeit sollten sich alle Teilnehmer nicht nur hören, sondern auch sehen können. Videokonferenzen erleichtern die Aufgabe des Vortragenden, denn Mimik und Körpersprache der Zuhörer helfen ihm zu entziffern: „Werde ich verstanden? Muss ich diesen Punkt ausführlicher erklären? Ist mein Vortrag interessant oder verbreite ich Langeweile?“ Für die Zuhörenden verbessert sich durch das Zusammenspiel von Stimme und Mimik des Vortragenden gleichsam das Verständnis der Inhalte. Zudem haben Videokonferenzen eine disziplinierende Wirkung, denn Unachtsamkeit fällt negativ auf.
  • Wenn sich die Teilnehmer aber nicht sehen können, ist es nützlich, schon während des Vortrags früh ins Gespräch zu kommen. Interaktive Elemente sollten nicht für den Schluss aufgehoben, sondern auch zwischendurch eingestreut werden. So erhält der Vortragende ein Lebenszeichen von seinen Teilnehmern und diese bleiben bei der Sache.
  • Will der Dialog zwischen Vortragendem und Teilnehmern einfach nicht in Schwung kommen, kann es helfen, einzelne Teilnehmer direkt anzusprechen und so das Eis zu brechen. Das sollten allerdings Personen sein, die man als selbstbewusst und gut im Thema kennt – schließlich soll niemand den Eindruck haben, er werde „vorgeführt“.

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