25. Februar 2016

Fünf Erfolgsfaktoren für Beteiligung

In unserer Funktion als Betreiber der „Servicestelle für Beteiligung in NRW“ werden wir oft gefragt, wie sich Elemente von Dialog und Beteiligung sinnvoll in Projekte integrieren lassen. Auch wenn jedes Projekt seine Eigenheiten hat – hier kurz zusammengefasst und ohne Anspruch auf Vollständigkeit – ein paar Gedanken zu fünf zentralen Erfolgsfaktoren von Dialog- und Beteiligungsverfahren:

Ergebnisoffenheit

Auch wenn dies für viele Projektleiter immer noch eine gewöhnungsbedürftige Vorstellung ist – gerade bei strittigen Projekten sollte eine Beteiligung der Öffentlichkeit über eine reine Information hinausgehen.

Erfolgt eine Beteiligung in einem frühen Projektstadium, können gemeinsam alternative Projektvarianten entwickelt- und so die nachfolgenden Genehmigungsverfahren entlastet werden. Mehr noch – Interessierte und Betroffene können wertvolle Hinweise geben, die ein Projekt besser machen – zum Wohle aller Beteiligten.

Verbindlichkeit

Projektverantwortliche sollten von Beginn an klar machen, wie sie mit dem Ergebnis eines Beteiligungsverfahrens umgehen. Durch Klarheit und Aufrichtigkeit in der Sache kann auch Vertrauen in die handelnden Personen aufgebaut werden.

Ein hoher Grad an Verbindlichkeit kann zudem die Bereitschaft der Teilnehmenden von Dialogverfahren erhöhen, zu einer gemeinsamen Lösung zu gelangen – oder anders gesagt: Wenn klar ist, dass eine Entscheidung Gewicht hat, rauft man sich eher zusammen.

Zugleich muss auch deutlich gemacht werden, wo die Grenzen von Beteiligungsverfahren liegen – auch um keine falschen Erwartungen zu wecken. So muss klar sein, dass Dialog und Beteiligung rechtliche Verfahren nur ergänzen, nicht aber ersetzen können.

Persönlicher Kontakt

Gerade in Zeiten eines ständigen „digitalen Grundrauschens“ wird der persönliche Kontakt zunehmend wichtiger. Es wird grundsätzlich honoriert, wenn Projektverantwortliche ihre Pläne erläutern und persönlich Rede und Antwort stehen.

Die Erkenntnis, dass es keine anonymen Planer sind, die im Hinterzimmer über die Köpfe der Betroffenen hinweg entscheiden, sondern dass es sich auch hier um Menschen handelt, die sich intensiv mit den Argumenten auseinandersetzen, löst bei vielen Betroffenen immer noch ein „Aha-Erlebnis“ aus.

Über das Format muss hingegen immer wieder individuell entschieden werden: Ob eine Bürgersprechstunde, ein mobiler Infostand oder die klassische Bürgerinformationsveranstaltung am sinnvollsten ist, hängt von der Art und der Größe des Projekts ab.

Transparenz

Neben Vertrauen in die handelnden Personen geht es auch um Vertrauen in den Prozess. Transparenz ist hierbei ein zentraler Faktor. Der Eindruck, dass Projektverantwortliche eine „Hidden Agenda“ verfolgen, kann ein gesamtes Dialogverfahren belasten. Bei umfangreicheren Beteiligungsverfahren empfiehlt es sich daher, sämtliche relevanten Dokumente auf einer Projektwebsite zu veröffentlichen. Zusätzliche Elemente, wie eine Bürgerhotline oder ein Livestream zu Veranstaltungen, können zusätzlich dazu beitragen, Vertrauen in den Prozess aufzubauen.

Zugleich gibt es innerhalb eines Verfahrens immer wieder Momente, in denen dieses Vertrauen auf die Probe gestellt wird. Nicht selten beruht dies auf Missverständnissen oder Fehlinformationen. Hier liegt es an den Projektverantwortlichen, schnell und professionell zu reagieren.

Struktur und Flexibilität

Projektverantwortliche sollten von Beginn an eine genaue Vorstellung davon haben, wie sie einen Dialogprozess organisieren: Was ist Gegenstand der Betrachtung? Welche Phasen hat der Dialogprozess? Wie gelangt man zu gemeinsam Entscheidungen?

Derartige Leitplanken geben allen Beteiligten Struktur und Sicherheit. Gleichwohl unterliegen Dialogprozesse Dynamiken, die sich nicht von vornherein planen lassen. Hier ist dann ein stückweit Flexibilität gefragt: Ist das Informationsbedürfnis größer als geplant oder wird ein anderes Format gefordert, sollten Verantwortliche in der Lage sein, ihre eigene Struktur anzupassen.

Auf veränderte Rahmenbedingungen angemessen zu reagieren, bedeutet dabei nicht „einzuknicken“ oder sich die Agenda diktieren zu lassen, sondern kann im Gegenteil Souveränität ausstrahlen.


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