4. Februar 2013

BP-Gesellschaftsstudie beleuchtet Akteure der Protestbewegungen

Was motiviert die neuen Protestbewegungen? Wer engagiert sich? Und was haben sie alle gemeinsam? Diesen Fragen ist das Göttinger Institut für Demokratieforschung auf Initiative der BP Europa SE auf den Grund gegangen. Dazu wurden bundesweit rund 80 Einzelinterviews und 18 Gruppendiskussionen mit zentralen Akteuren und Aktivisten von Protestgruppen geführt. Thematisch reichte die Bandbreite dabei von Akteuren der Occupy-Bewegung über Gegner von Infrastruktur- oder Energieprojekten bis zu Gegnern und Befürworten von Schulreformen.

 

Die Ergebnisse sind Pflichtlektüre für alle Kommunikatoren – insbesondere für jene, die sich mit der Kommunikation rund um Großprojekte oder kritische Themen beschäftigen.

 

Wer sich in diesem Feld schon über Jahre bewegt, findet seine Erfahrungen in den Ergebnissen weitestgehend bestätigt: Der Prototyp der in Bürgerinitiativen oder Protestbewegungen Engagierten ist männlich, gut gebildet, sozial gut vernetzt, kinderlos und oftmals schon im (Vor)ruhestand. 55 Prozent der für die Studie Befragten haben einen Studienschluss oder sogar eine Promotion – eine beachtliche Quote. Außerdem scheinen gerade im Bereich der Energieprojekte besonders technisch versierte Bürger, wie Ingenieure, Techniker oder Informatiker engagiert zu sein.

 

Auch wenn sich die einzelnen Protestgruppen thematisch stark unterscheiden, eines haben sie gemeinsam: Das Vertrauen in die Demokratie bzw. die Politiker ist tief erschüttert. Man habe es in Deutschland mit einer „Scheindemokratie“ zu tun, lautet ein zentraler Vorwurf. Ideen, wie eine „richtige“ Demokratie aussehen könnte, bleiben laut den Studien-Initiatoren jedoch vage.

 

Was liefert die Studie nun an zentralen Erkenntnissen für Kommunikatoren von Infrastruktur- und Energieprojekten sowie anderen potentiell kritischen Themen?

 

1. Sie haben es bei Bürgerprotesten mit einer hoch gebildeten Zielgruppe zu tun. Das muss auch bei der Entwicklung von Strategien und Kommunikationskonzepten beachtet werden.

 

2. Insbesondere die Gruppe der Ingenieure muss berücksichtigt werden. Sie ist der ideale Ansprechpartner, wenn es darum geht technische Kompromisslösungen zu erarbeiten bzw. Anpassungen am Projekt vorzunehmen. Die Ingenieure kennen nämlich nicht nur die Befindlichkeiten der Bürger, sondern wissen auch, was technisch möglich ist und was nicht.

 

3. Das Phänomen „Bürgerprotest“ ist kein allein von Unternehmen gemachtes Problem. Einige Politiker haben in den vergangenen Jahren beim Thema Industrieakzeptanz gerne auf die Unternehmen und deren „Dialogverweigerung“ verwiesen. Aber die Studie zeigt: Die Politik ist nicht unschuldig daran, dass die Bürger das Gefühl haben, bei Großprojekten und Bauvorhaben übergangen zu werden. Beide sollten also gemeinsam nach Lösungen suchen.

 

4. Das Dilemma zwischen Bürgerbeteiligung und der Erwartung eines raschen und effektiven Regierungshandelns bleibt. Denn diese beiden Wünsche lassen sich schwer vereinen.

 

Die vorab veröffentlichten zentralen Ergebnisse machen auf die Details der Studie jedenfalls neugierig. Sie erscheint am 8. Februar 2013 im Buchhandel („Die neue Macht der Bürger. Was motiviert die Protestbewegungen?“ ISBN 978-3-498-07254-4). Wir werden nach der Lektüre hier im Blog sicherlich noch das ein oder andere Detail zur Diskussion stellen.

 

Link zur Presseinformation: http://www.deutschebp.de/genericarticle.do?categoryId=2010149&contentId=7084471


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